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PTBS und Traumatisierungen

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Posttraumatische Belastungsstörung

Lange Zeit galten Traumatisierungen als Folge von einmalig auftretenden, außergewöhnlichen Belastungen wie Katastrophen, extreme Gewalteinwirkung und ähnlichem. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts hielt man traumatisierte Menschen medizinisch als Hysterisch. Aber in diese Kategorie fielen damals auch Menschen mit Sprachstörungen, mit Epilepsie und ähnliches. Kurz: alles wofür man keine direkte Erklärung hatte, dass aber dem äußeren Anschein nach ein merkwürdiges Verhalten erzeugte.

An heimkehrenden Kriegsveteranen untersuchte man diese Art der chronischen Traumatisierung als erstes. Als nächstes entdeckte man vergleichbares Verhalten bei Langzeitgeiseln. Ich habe mich eine Zeit damit beschäftigt, welche Strategien solche Geiseln, die ständig in Verletzungs- und Todesgefahr schwebten entwickelt habe und war sehr verblüfft, wie ich in manchen Phasen meines Leben eigentlich die gleichen Strategien entwickelte. Erst spät erkannte man auch die chronische Traumatisierung durch innerfamiliäre Gewalt.

Chronisch Traumatisierte weisen nicht selten ein komplexes Geflecht an Symptomen auf. Es gibt jedoch spezifische Verhaltensweisen die immer wieder auftreten und sich im Laufe der Zeit nicht von allein legen.

1. Überregung:

Die Art der Überregung die bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) auftritt ist nicht nur ein Problem das vom Kopf her kommt. Es läßt sich auch nicht durch Abhärtung wegtrainieren. Es ist in Wirklichkeit eine chronische Erregung des vegetativen Nervensystems die zu physiologischen Veränderungen geführt hat. Diese Veränderungen sind unter Umständen sehr weitreichend und können, je nach Länge und Intensität der Belastungssituation in welcher sie entstanden ist sehr hartnäckig sein. Eine weitere Folge davon sind allgemeine Angstsymptome, die mit spezifischen Befürchtungen verknüpft sind. Der Körper ist somit immer in Alarmbereitschaft, so dass er extrem schreckhaft auf unerwartete und besonders spezifischen Reize reagiert, die mit dem Trauma in einer Verbindung stehen. Diese Reaktion auf den Reiz kann nicht ausgeschaltet werden, sondern wird bei jeder Wiederholung auf's neue ausgelöst. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Art der Überregung auch zu Schlafstörungen führt. Der Betreffende braucht länger zum einschlafen, reagiert viel empfindlicher auf Geräusche und Bewegungen in der Nacht. Durch die posttraumatische Belasttungsstörung wird das menschliche Nervensystem tiefgreifend und irreversibel verändert.

2. Intrusion

Intrusion ist die Wiederholung des traumatischen Ereignisses noch lange nach der eigentlichen Gefahr. Der traumatisierende Augenblick wird spontan ins Bewußtsein geschleudert, so dass der Betreffende im Wachzustand eine Rückblende der Ereignisse erlebt bzw. im Schlaf in einen verknüpften Albtraum gerät. Auslöser für diese Flash Backs können selbst durch kleine unbeutende Gegenstände, Worte oder minimale Wahrnehmung einer bestimmten, für andere unbedeutende Kleinigkeit ausgelöst werden. Das auslösende Ereignis bleibt immer auf der selben Stelle stehen und entwickelt sich nicht weiter. Das Ergebnis sind immer wiederkehrende, gleiche Albträume oder auch Schlüsselreize (ebenso wie bei der Überregung). Meist fehlen jedoch zum Ausdruck dessen, was einen gerade Überrascht hat oder einen im Traum immer wieder quält die Worte. Stattdessen erlebt man das Trauma in Form intensiver Gefühle wieder
Eine andere Form der Intrusion ist die verschleierte Neuinszenierung des Traumas. Diese Neuinszenierungen werden zwanghaft und bewusst gewählt. Allerdings wird das Ereignis, wie schon gesagt nicht selten verschleiert. D.h. der betreffende erkennt seine Handlung nicht als Wiederholung des Traumas, dennoch ist ihm die Handlung und der Zwang der hinter ihr steht bewusst. Nicht alle Neuinszenierungen sind gefährlich und manche tragen sogar zur stückweiten Bewältigung bei. Meistens dann, wenn der Betreffende es bei der Neuinszenierung schafft einen Aspekt der Selbstkontrolle oder Sinnhaftigkeit in seine Handlung zu bringen. Auf der einen Seite sind Neuinszenierungen bewusst gewählte Handlungen und doch hat der Betreffende das Gefühl von Unfreiwilligkeit, und auch wenn sie nicht gefährlich sind, so sind sie doch zwanghaft und hartnäckig. In der Wissenschaft gibt es so einige Hypothesen darüber, welche Funktion Intrusionen haben. Eine große Rolle scheint jedoch bei vielen dieser Theorien der Umgang mit der Ohnmacht, die dem traumatischen Ereignis innewohnt. Es ist wie der Versuch, durch Wiederholung eine neue Chance zu bekommen etwas zu verändern. Nichts wirkt so tief greifend zerstörend auf die eigene Integrität und das Vertrauen in die eigenen Kräfte wie das Erleben absoluter Ohnmacht. Im ständigen Nacherleben ergibt sich vielleicht irgendwann die Chance auf irgendeine Weise aktiv in das Geschehen einzugreifen.

3. Konstriktion

Konstriktion ist eine unmittelbare Reaktion auf absolute Ohnmacht in einer bedrohlichen Situation. Da keine Verteidigung mehr möglich ist, bleibt nur die vollständige Kapitulation. Das Selbstverteidigungssystem bricht völlig zusammen. Durch diese Kapitulation wird die bedrohliche Situation aber nicht aufgehoben. Die Situation bleibt und der Betreffende kann dem physisch nicht entweichen. Um die Todesangst zu bewältigen greift das Bewusstsein zu einer gravierenden Bewusstseinsveränderung. In der unausweichlichen Situation stellt sich mit einem mal ein Gefühl von Distanz zur Situation ein. Der Betreffende sieht sich zum Beispiel plötzlich selbst von außen und empfindet nichts mehr von dem was er sieht. Es ist wie ein inneres Vakuum, eine völlige Ruhe und das, was passiert hat nichts mehr mit einem selbst zu tun. Angst, Wut, Schmerz, alles verschwindet. Sinneseindrücke werden reduziert, das Gefühl für Zeit geht verloren. Alles verläuft in einer stillen, tauben Zeitlupe ab. Es ist als sei man gar nicht von dem, was passiert betroffen. Das ist zunächst einmal etwas das die Gefahrensituation selbst betrifft. Die Konstriktion tritt aber auch hinterher noch lange spontan in Erscheinung, wenn bestimmte äußere Reize gegeben sind. Es ist aber ebenso möglich den bewußtseinsveränderten Zustand willentlich zu erzeugen. Es ist, als ob man sich in einen Rauschzustand versetzt - nur ohne Drogen. Traumatisierte, die sich nicht durch Konstriktion von der Realität lösen können greifen nicht selten zu Alkohol und anderen Drogen um die Konstriktion zu imitieren und ähnliche Wirkungen zu erzeugen. Es wird aber ebenso versucht durch entsprechende Narkotika der Überregung und Intrusion zu entkommen.
In einer absoluten Ohnmachtssituation selbst ist die Konstriktion, Betäubung, Bewußtseinsveränderung eine angemessene Reaktion, die das Überleben sichern kann. Ist die Gefahrensituation jedoch vorüber, kehrt sich dies ins Gegenteil.

Es gibt auch nachträgliche konstriktive Symptome. Eine davon ist die Dissoziation. Die Dissoziation ist eine vollständige Verdrängung. Der Betreffende hat zum Beispiel ständig Schmerzen, oder andere körperliche Beschwerden, aber er kann sich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass dies in Zusammenhang mit einem bestimmten Ereignis steht. Besonders seltsam wird es, wenn man im Alltag auf die eigenen Dissoziationen stößt. Man weiß, dass man etwas bestimmtes getan haben muss, aber man kann sich nicht im geringsten daran erinnern, es existiert noch nicht einmal ein Hauch von einem Gefühl oder ein vages Bild. Auslöser für solche Schmerzen und körperlichen Beschwerden lassen sich häufig durch Hypnose aufdecken. Gelegentlich ist auch nicht alles vergessen, aber das was von der Erinnerung übrig bleibt ist seltsam entstellt und zwar meist so, dass der Erzählung der Sinn und das zugehörige Gefühl fehlt.

Weitere konstriktiven Symptome treten in der traumatischen Neurose auf. Sie führen zu einer Einschränkung von Gedanken, Erinnerungen und absichtlichen Handlungen. Dadurch, dass diese Dinge beschnitten oder ausgeblendet werden wird eine zwanghafte und sinnentleerte Handlung erzeugt.



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