Der Gedanke eine Klinik zu besuchen ist nicht selten belastet mit großer Furcht und Unsicherheit. Manchmal geht dieser Gedanke auch einher mit dem Gefühl: „Oh ja, jetzt habe ich komplett den Verstand verloren, wenn ich in so eine Klinik soll.“ Was da an uns rüttelt sind die Tabus unserer Gesellschaft. Von Zeit zu Zeit ist es mal in Mode zu einem Therapeuten zu gehen und für viele die damit noch nichts zu tun hatten, hat der Gedanke daran höchstens noch einen faden Beigeschmack. Aber ich glaube, es ist mittlerweile Größtenteils normal geworden, wenn man in bestimmten Lebensphasen einen Therapeuten aufsucht. Anders ist das mit einer entsprechenden Klinik. Die meisten Menschen wissen gar nicht was da überhaupt passiert und haben nicht selten solche Vorstellungen wie sie zum Beispiel der Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ vermitteln.
Ich schreibe diesen Abschnitt, damit du etwas Sicherheit und Trost gewinnst und vielleicht sogar ein wenig deine Angst aufgeben kannst. Aber selbst, wenn es dich nicht direkt betreffen sollte ist es gut, wenn wieder einer mehr daran mitarbeitet verkrustete Tabus anzuschauen und in Frage zu stellen. Ich selbst war nicht in einer Klinik, schon allein deshalb, weil es mit den Kindern nicht möglich gewesen wäre, aber manchmal denke ich, dass ich vor ein paar Jahren sicherlich dort gut aufgehoben gewesen wäre. So ein Aufenthalt trägt schneller und gründlicher zur Sortierung des eigenen Chaos bei als wenn man alles mühsam selbst Stück um Stück zusammenbasteln muss. Doch was passiert eigentlich in so einer Klinik und wann ist es gut sich dazu zu entschließen? Siehe Erfahrungsbericht.
Im Allgemeinen wird die Anregung eine Klinik zu besuchen von Seiten des Therapeuten kommen. Der Besuch in einer Klinik kann aus verschiedenen Gründen nicht nur sehr hilfreich sondern auch angebracht sein. Insbesondere ist das dann der Fall, wenn Du Dich in deinem Alltag nicht mehr zurechtfindest und selbst einfache Aufgaben nicht mehr richtig bewältigen kannst. Wenn Alltag für dich zu einem Kampf gegen dich selbst geworden ist. Wenn du dich von deinem bloßen Alltag überfordert fühlst.
Zum anderen kann dir ein Klinikaufenthalt helfen, wenn du in deinem täglichen Umfeld noch immer Faktoren ausgesetzt bist, die dich immer wieder in deine Schwierigkeiten reinreißen und die deine Wunden deshalb nicht heilen lassen können. In diesem Fall ist deine Umgebung und deine Wechselwirkung so stark miteinander verschlungen, dass es einfach nicht möglich ist einen klaren Blick von außen darauf zu werfen. In diesem Fall ist keine Heilung möglich. Ganz im Gegenteil ist dies oft ein sehr selbstzerstörerischer Prozess der nur ganz selten zuerst von innen durchbrochen werden kann. In diesem Fall ist es hilfreich, wenn die äußeren Umstände eingreifen und den gefangenen Menschen erst einmal aus seiner Situation heraus holt in der er gefangen ist. Von den Problemen getrennt, ist es dann zum ersten Mal seit langem oder zum ersten mal überhaupt möglich Abstand zu gewinnen, zur Ruhe zu kommen, aufzuatmen, auszubrechen, stabil zu werden.
Eine Klinik ist kein „Irrenhaus“. Sie ist eine Art Rehabilitationszentrum. Dort kann Menschen geholfen werden die wie ein Krieger gekämpft und sich bis zum äußersten Verteidigt haben, die schwer Verletzt sind, und die trotz allem was sie mitgemacht haben überlebt haben. Für mich fühlt es sich manchmal so an, so als hätte ich überlebt, eine Schlacht geschlagen und überlebt. Und jeder der dieses Gefühl kennt weiß, dass es bei Schlachten keine Gewinner geben kann. Die daran Teilnehmen zahlen einen hohen Preis und alles was sie zunächst gewinnen ist die Erkenntnis, dass sie es irgendwie (wie bloß?) überlebt haben. Wenn es aber vorbei ist und man noch da ist, was gibt es für Gründe sich nicht verarzten zu lassen? Sich Bandagen auf die Wunden legen zu lassen? Es zuzulassen, dass da Menschen sind die damit Beschäftigt sind, einen wieder zusammenzuflicken und heil zu machen?
Schuldgefühle: Du bist es der verletzt ist und dessen Wunden bluten und einfach weil es so ist, brauchst du Heilung und Hilfe, du schuldest nichts, du hast schon bezahlt.
Du merkst nicht, dass der Kampf vorbei ist: Du bist jetzt hier und Du bist jetzt. Der Sturm um dich herum tobt in deinem Kopf und in deinem Herzen. Aber der Kampf ist vorbei. Wach auf aus deinem Alptraum in dem du dich selbst immer wieder mit Schlachten quälst, die du nicht gewinnen kannst, weil du gegen dich selbst kämpfst.
Scham: Es gibt niemanden außer Dir selbst, der das Recht hätte auch nur in irgendeiner Weise zu bewerten wer und was du bist. Die mit dem Finger auf Verwundete zeigen sind nicht selten die ersten die das Schwert gegen einen Freund erheben. Damit brauchst du nichts zu tun haben, das Leben dieser Menschen ist sowieso verkorkst. Kümmere dich um dich und lass andere sich kümmern die das mit Liebe tun, so wie du bist, ist es in Ordnung.


