Überall wo wir es mit Menschen zu tun haben, haben wir es auch mit den Gedanken, den Gefühlen, den Anschauungen, dem Wissen und Unwissen dieser Menschen zu tun. Das ist mit Therapeuten nicht anders, denn Therapeuten sind auch Menschen. Um einen Therapeuten zu finden oder um zu entscheiden, ob der Therapeut der richtige für dich ist, ist es wichtig das nicht aus den Augen zu verlieren. Zum einen muss es dir möglich sein zum Therapeuten so etwas wie Vertrauen aufzubauen, zum anderen muss gewährleistet sein, dass der Therapeut dieses Vertrauen nicht auf unterschiedliche Weise ausnutzt. Der Erfolg der Therapie kann durch beide Faktoren scheitern. Vom Gesetzgeber her ist das Verfahren so geregelt, dass du am Anfang fünf Termine hast, in denen du mit dem Therapeuten herausfinden kannst, ob ihr zusammen passt. Von deiner Seite her sieht das so aus, dass du entscheiden musst, ob du bereit bist diesem Menschen, der dich behandeln soll, zu vertrauen. Der Therapeut, wenn er ein Profi ist, wird in den fünf Stunden versuchen heraus zu finden, ob er die für deine Probleme richtigen Mittel hat um dir zu helfen, und dir aufrichtig sagen, wenn er sie nicht hat. Leider sind nicht alle Therapeuten Profis und es ist gut, wenn du selbst auch überprüfst, ob dieser Therapeut die richtigen Mittel hat, dir zu helfen und ob das mit dem zusammen passt, was der Therapeut sagt. Auch wenn du schon bei einem Therapeuten bist, kannst du immer wieder einmal überprüfen, ob deine Therapie mit diesem Therapeuten noch heilend ist oder, ob sie aus irgendwelchen Gründen stagniert oder schlimmer noch: destruktiv geworden ist.
Tipps für die ersten fünf Sitzungen und zum überprüfen zwischendurch:
- Der Therapeut fragt dich am Anfang der Therapie über deine Ziele die du mit der Therapie verfolgst. Das muss nicht immer offensichtlich sein, aber er fragt zum Beispiel, was du dir von der Therapie erwartest und warum du gekommen bist.
- Er bringt die Ziele der Therapie nach gewissen Zeitabständen immer mal wieder auf den Tisch und überprüft mit dir, wo die Therapie bis jetzt hingegangen ist, wo es Fortschritte gegeben hat und wo noch alles beim Alten geblieben ist. Wenn er merkt, dass sich die Ziele der Therapie bei dir ändern, wird er diese erneut mit dir durchsprechen.
- Normalerweise wird der Therapeut dich am Anfang irgendwo anfangen lassen, bei dem was dich gerade beschäftigt. Er wird bei verschiedenen Dingen nachhaken und Fragen stellen um zu verstehen, wie du das, was du gesagt hast wirklich gemeint hast und er wird sich während eures Gespräches Notizen machen.
- In der fünften Stunden solltest du den Therapeuten fragen, wie seiner Ansicht nach die Therapie aufgebaut sein wird. Sicherlich wird er das nicht bis ins Detail festlegen (was sehr merkwürdig wäre und mich absolut misstrauisch machen würde). Das liegt daran, dass auch er nicht 100% wissen kann wo es mit dir hingeht. Aber er kann eine Einschätzung geben und dir mitteilen, was ihm in diesen fünf Sitzungen die ihr miteinander hattet wichtig geworden ist, und wo er einen Weg sieht. Um so erfahrener und „freier“ (erkläre ich gleich) ein Therapeut ist, um so besser wird er die Situation richtig zu nehmen wissen. Überprüfe, ob dass was er sagt mit deiner eigenen Wahrnehmung übereinstimmt. Falls dies nicht der Fall ist, sprich ihn darauf an und beobachte, wie ihr (und er) damit umgehen könnt.
- Der Therapeut wird dir sagen, wenn er den Eindruck hat, dir nicht weiterhelfen zu können und dir sagen, was du seiner Meinung nach wirklich benötigst. Das ist für nicht wenige Therapeuten eine schwierige Sache, weil sie einfach ihren Strang, ihre „Schule“ verfolgen. Die Gefahr ist dabei groß, sämtliche Symptome auf die eigenen Spezialkenntnisse zu münzen und den wahren Ursprung zu übersehen, der aber angegangen werden muss, wenn es wirklich um Heilung gehen soll. Wenn der Therapeut allzu leidenschaftlich immer wieder auf einer bestimmten Schiene beharrt, selbst, wenn du ihm sagst, dass du das Gefühl hast, dass es dir nicht weiterhilft, dann solltest du dir überlegen, den Therapeuten zu wechseln.
- Es geht noch etwas eingefahrener: Wenn der Therapeut dir um jeden Preis weismachen will, dass deine Gefühle, Wahrnehmungen, Gedanken nicht zutreffen, wenn er dir sagt, dass es bei dir so und so zu sein hat und du innerlich nur denkst: „Nein, das stimmt ja gar nicht.“ Dann bist du definitiv an den falschen geraten. Ein erfahrener Therapeut wird dich, selbst wenn du im Irrtum bist, nicht darüber belehren was du zu denken und zu fühlen hast, aufgrund dessen, was du erzählt hast. Er wird immer wieder nachfragen, wie du darüber denkst, was es dir bedeutet, wie es dir damit geht. Er wird, das was du sagst, als deine Realität akzeptieren und dir nicht seine eigene Realität aufzwingen. Vielleicht wird er dir seine Eindrücke mitteilen und dir sagen, was er dazu denkt. Das ist gut, weil du dich dann mit deiner Realität und seiner Realität auseinandersetzen kannst um selbst herauszufinden was für dich wahr ist und wo dich diese Wahrheit weiterbringt oder blockiert.
Probleme mit Therapeuten kann es aus verschiedenen Gründen geben:
- Der Therapeut ist Co-Abhängig:
Leider gibt es davon einige. Ich habe öfters schon Leute aus sozialen Berufen sagen hören, dass sie glauben, dass Co-Abhängige sich gerade solche Berufe aussuchen. Allerdings muss ich sagen, dass ich solche Leute auch bei mir auf der Arbeit habe und sie auch da ihre „ökologische Nische“ finden. Unsere Gesellschaft fördert Co-Abhängigkeit. Ein Co-Abhängiger ist aus folgenden Gründen meiner Meinung nach nicht für den Therapeuten-Beruf geeignet:
Der Therapeut benötigt die Patienten für seine Selbstbestätigung. Er wird den Patienten nicht gehen lassen, sondern möglichst lange in der Therapie halten wollen. Unterschwellig braucht er die Abhängigkeit des Patienten für sein eigenes Selbstbewusstsein. Aus diesen Gründen wird er manipulativ auf den Patienten einwirken und versuchen ihn dadurch an sich zu binden. Wer seit mehr als drei Jahren in einer Therapie festsitzt, sollte sich fragen, wie die Beziehung zu seinem Therapeuten aussieht und wie dieser sich verhält. Keine Therapie sollte so lange dauern, besonders dann nicht, wenn sich keine gravierenden Änderungen dadurch ergeben. Es ist gar nicht so ungewöhnlich mehrere Therapien in seinem Leben zu machen, da an verschiedenen Lebenspunkten andere Themen bearbeitet werden müssen, die neu sind und für die man sich Unterstützung wünscht, aber eine einzige Therapie in so in die Länge zu ziehen, bedeutet in der Regel nur, dass es mit dieser Therapie nicht weiter geht und weder der Therapeut noch der Patient in der Lage sind loszulassen. Das Therapie-Ziel haben dabei beide aus den Augen verloren. In der Regel wird der Therapeut sich in der ganzen Geschichte nicht ändern. Es liegt also an dir dich zu lösen und diese Therapie zu quittieren. Vom Therapeuten und vom Patienten, bedarf es der Wahrung eines Abstandes bei aller Vertrautheit, idealer Weise auch vom Patienten, doch der Therapeut als Profi, ist in erster Linie dazu verpflichtet, weil nicht jeder Patient dieses Abstandhalten auch Leisten kann. - Der Therapeut ist „fanatisch“
Wenn ich sage „fanatisch“ dann meine ich, dass diesem Therapeuten seine Theorie und die von ihm erlernte Denkrichtung so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass er sie über die Menschenkenntnis, die Offenheit und die Lernfähigkeit als Therapeut stellt. Therapeut zu sein ist eine zutiefst menschliche Beschäftigung die mit Theorien und Forschung untermauert und durch neue Methoden bereichert werden kann, aber die Theorie darf nicht zum Selbstzweck werden, sie muss der Heilung dienen. Da jeder Mensch, jeder Patient unterschiedlich ist braucht es Feingefühl und Offenheit um herauszufinden, was diesen Menschen, der da zu einem gekommen ist, wirklich bewegt, was ihm wirklich helfen kann, gerne auch welche Methode. Aber dazu benötigt der Therapeut nicht das Wissen der Theorie sondern Menschenkenntnis, Erfahrung mit den Dingen die sein Patient mit zu ihm bringt, Verstehen und vor allen Dingen die Fähigkeit sich darauf einzulassen. Eine Therapie erfordert ein Öffnen von beiden Seiten ein aufeinander eingehen zwischen zwei Menschen die Verschiedene Aufgaben erledigen und doch an der selben Sache arbeiten: den Patienten bei bestimmten Entscheidungen und Entwicklungen in seinem Leben zu helfen und seine Lebensqualität zu verbessern. - Der Therapeut ist selbst zu sehr belastet
Einen Therapeut, der selbst die Situationen kennt und nachvollziehen kann, mit denen seine Patienten zu ihm kommen, kann viel empathischer und mit einem ganz anderen Verstehen auf die Problematik eingehen. Gerade bei Problematiken wie Suchtkrankheit und dazu gehörig auch Co-Abhängigkeit ist dieses Wissen, welches am eigenen Leib erfahren wurde eine große Bereicherung für beide Seiten. Der Patient fühlt instinktiv, dass dort jemand ist, der genau weiß, wovon die Rede ist, das allein ist schon eine große Bereicherung. Der Therapeut, der solches am eigenen Leib erfahren hat wiederum, weiß genau, wie der Patient sich fühlt, wie es ihm geht und wo die Blockade ist. Nicht selten, weiß er genau wo es hin gehen kann, und wo der andere ihm noch nicht folgen kann. Eine Gefahr besteht dann, wenn der Therapeut seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen noch nicht so weit bearbeitet hat, dass sie ihm selbst eine blockadefreie Arbeit mit seinen Patienten ermöglichen. Dieser Therapeut wird Themen die diese Blockaden angreifen abwehren oder ignorieren. Für den Patienten ist das nicht gut, weil er, wenn er bereit ist, diese Sache in seinem Leben zu bearbeiten, weiter ist als sein Therapeut. Der Therapeut kann ihn dann nicht mehr unterstützen, nicht nur, weil er diesen Punkt noch nicht ausreichend erforscht hat, sondern weil er ihn blockiert. Die Blockade wird also vom Therapeuten auf den Patienten übertragen. Der Patient kann dort nicht weitergehen, obwohl er vielleicht bereit ist, und zwar deshalb, weil sein Therapeut nicht bereit ist. In einem solchen Fall ist es sehr wichtig, dass der Therapeut aufrichtig ist und beide darüber sprechen, ob eine Fortsetzung der Therapie unter diesen Umständen noch möglich ist. Leider ist nicht jeder so aufrichtig. Und manchmal mischen sich diese Umstände auch noch mit einer Co-Anhängigkeit des Therapeuten. Er kann dann mit dem Patienten nicht weitergehen, kann ihn aber auch nicht loslassen.
Kleine Zusammenfassung für die Therapeutenwahl:
Der Therapeut…
- …wirkt aufgeschlossen und interessiert
- …wiederholt manchmal was du gesagt hast (spiegeln), damit du dir selbst klar darüber werden kannst, was du gesagt hast, und um zu überprüfen, ob er dich richtig verstanden hat
- …stellt viele Fragen, um dich zu verstehen, um dir Fragen zu geben mit denen du dich auseinandersetzen kannst und die dich weiter bringen können
- …geht sehr persönlich auf dich ein aber wahrt auch immer eine angemessene Distanz mit der du dich wohlfühlst
- …akzeptiert das was du sagst als deine Realität und bietet dir alternative Realitäten zum Vergleich, zum Abgleich, zum Lernen
- …gibt dir das Gefühl dich frei entscheiden zu dürfen. Gemeint ist hier wirklich dein Gefühl, nicht dein Verstand. Das was jemand sagt und das was damit bei dir gefühlsmäßig ankommt, sind manchmal zwei verschiedene Paar Schuhe (Manipulation)
- …kann sich auch auf ungewöhnlichere Gedankengänge einlassen, wenn es dir wichtig ist sie zu verfolgen und hält dich nicht für „verrückt“
- …wird dich vielleicht manchmal provozieren, um dir oder sich bestimmte Umstände und Verhaltensmuster klar zu machen, aber er wird dir hinterher auch sagen, was er warum gemacht hat und dich wieder stabilisieren, wenn es dir zu viel wird, wird er damit aufhören (hier ist es wichtig, dass du dem Therapeuten wirklich vertrauen kannst, mit dieser Methode kann man leider auch eine Gehirnwäsche durchführen, wenn du das Vertrauen nicht hast, oder ein komisches Gefühl bei dieser Methode verspürst, bitte ihn damit auszusetzen oder damit aufzuhören, dann sollte er dies auch unbedingt tun!)
- …blendet Dinge die dir wichtig sind nicht aus und ignoriert sie nicht. Es kann sein, dass manches auf einen anderen Zeitpunkt verschoben wird, aber wenn er immer wieder die gleichen Themen ausblendet und nicht bereit ist sie mit dir zu bearbeiten, stimmt etwas nicht.
- …ist objektiv und sachlich vergisst dabei aber nicht seinen Menschenverstand und seine Empathie
- …versucht nicht, dir seine Meinung und Anschauung aufzuzwingen


