Leider ist es nicht so, dass jeder Therapeut dir gleich gut weiterhelfen kann und leider ist es auch so, dass nicht jeder Therapeut erkennt, welche Probleme wirklich bei dir vorliegen. Es gibt sehr gute Therapeuten und es gibt Schubladentherapeuten und (ich weiß nicht wie verwunderlich du das findest aber) es gibt auch eine Reihe Co-Abhängiger Therapeuten. Um die Therapeuten soll es aber in einem anderen Abschnitt gehen. Es gibt eine große Vielzahl an Therapien. Der erste Schritt die Richtige zu finden und damit auch den richtigen Therapeuten ist, dir selbst darüber klar zu werden, was du dir von der Therapie erhoffst, was du von ihr erwartest, mit welchem Ziel du eine Therapie beginnen möchtest. Solche Ziele können sein:
- Ich möchte meinen Alltag wieder für mich zufrieden stellend bewerkstelligen können.
- Ich möchte aus dem Kreislauf ausbrechen der mich immer wieder in die gleiche Situation bringt.
- Ich möchte lernen mit mir selbst besser umzugehen, auf mich zu achten und mich kennenlernen wie ich wirklich bin.
- Ich möchte mein Leben in die eigenen Hände nehmen und nicht mehr nur das tun, was andere von mir verlangen. Ich möchte lernen Nein zu sagen, wenn ich es für richtig halte und Ja zu sagen, wenn ich es für richtig halte.
- Ich möchte einen Mechanismus loswerden, der mich plötzlich überfällt und mich dann sehr beeinträchtigt.
- Ich möchte wieder etwas Fühlen. Ich möchte Lachen können und fröhlich sein, weinen können und traurig sein. Ich möchte wieder Zugang zu meinen Gefühlen finden.
- Ich möchte mein Leben endlich Leben ohne, dass mich ständig Ängste irgendwelcher Art begleiten. Ich möchte echte, sinnvolle und nützliche Angst von meinen eingefleischten Angstgewohnheiten unterscheiden lernen und zweitere Ablegen.
- Ich möchte…
Unabhängig davon, ob du mit dem Gedanken an eine Therapie spielst, gerade in einer Therapie bist, oder bereits eine Therapie hinter dich gebracht hast, nimm dir doch mal einen Zettel und schreibe dir auf, was du dir von einer Therapie wünscht, welches Ziel du mit einer Therapie verfolgen würdest, verfolgst oder verfolgt hast. Vielleicht in der Form, die ich oben ausprobiert habe. Orientiere dich nicht an deiner Therapie, sondern versuch einmal aufzuschreiben was du dir wirklich wünschst und was du wirklich brauchst und was du wirklich von einer Therapie erwartest.
wenn du bereits eine Therapie gemacht hast
Hat diese Therapie dir in den Punkten die du nun aufgeschrieben hast geholfen? Hattest du damals andere Ziele und Erwartungen bei der Therapie? Wurden diese erfüllt? Wie unterscheiden sich die Ziele damals von den Zielen die du nun aufgeschrieben hast? Zeichnet sich dabei für dich eine Entwicklung ab? Bist du nun mit deinem Leben an einem anderen Punkt angelangt, indem du andere Dinge brauchst als damals? Oder wurden die Ziele, die du damals mit der Therapie verfolgtest nicht wirklich erreicht? Wenn sie nicht erreicht wurden, wie ist dein Gefühl, warum es nicht geklappt hat?
wenn du gerade eine Therapie machst
Ist dir, während du diese Liste geschrieben hast etwas Neues klar geworden? Etwas, dass dir vorher noch nicht so deutlich war? Entspricht der bisherige Verlauf deiner Therapie einem Weg, der zu deinen Zielen führt? Hat dein Therapeut mit dir über die Ziele der Behandlung gesprochen und überprüft er von Zeit zu Zeit, wie weit du den Zielen näher gekommen bist oder in wie weit sich deine Ziele im Laufe der Therapie verändert haben? Hast du das Gefühl, mit der Therapie, den Zielen, die du auf deinen Zettel geschrieben hast, näher zu kommen?
wenn du mit dem Gedanken spielst eine Therapie zu machen
Bist du Bereit dich auf diese Veränderungen, die du aufgeschrieben hast einzulassen? Ist es wirklich das was du brauchst (das was wir brauchen ist nicht immer das was wir uns wünschen)? Ist die richtige Zeit für diese Veränderungen für dich gekommen oder gibt es vielleicht Dinge von denen Du das Gefühl hast, dass sie noch vorher bearbeitet werden müssen?
Es ist mir noch einmal wichtig dir zu sagen, dass es Zeiten gibt in denen eine Therapie für dich hilfreich und gut sein kann und andere Zeiten in denen du spürst, dass eine Therapie gerade überhaupt nicht in Frage kommt. Wenn du bereit bist, dann spürst du dass durch eine innere Bereitschaft. Es gab auch für mich Zeiten, in denen wollte ich mit so etwas nichts zu tun haben. Ich wollte einfach meinem Alltag nachgehen, wollte bloß nicht über irgendetwas nachdenken. Das war auch eine wichtige Zeit. Es ist eine Zeit in der man vom Tiefgang ausruht. Das ist etwas anderes als vor dem Tiefgang davon zu laufen. Werde dir also klar darüber, welches von beidem es ist. Wenn es ein Ausruhen ist, dann genieße es, es wird wieder eine Zeit kommen in der du das nächste Thema mit neuer Kraft angehst. Wenn es eine Flucht ist, dann sei nicht zu hart zu dir. Auch Flucht hat Gründe und in den wenigsten Fällen ist es gut dich dann zu irgendetwas zu zwingen. Das wird sowieso nicht funktionieren. Erinnere dich nur immer wieder daran. Immer wenn du dir selbst ein Schnippchen schlägst, erinnere dich daran, dass du auf der Flucht bist und dass das nicht für immer und ewig so sein muss, sondern dass es deine Entscheidung ist die du, wenn du bereit bist, jederzeit ändern kannst.
Wenn du dir so weit im Klaren darüber bist, was deine Ziele sind, bzw. was die Symptome sind unter denen du leidest. Mache dich kundig. Ich versuche dir eine kleine Sammlung zu erstellen, am Anfang wird diese noch klein sein und dir Tipps geben, welche Therapieform dir wahrscheinlich helfen kann. Wenn du schon Erfahrungen damit hast, kannst du mir gerne auch deine Tipps schicken und ich kann sie in die Sammlung einfügen.Nun hast du ein Bild davon, was dir Sorgen und Probleme bereitet, wo du hin möchtest und im Ansatz dazu, was du dazu brauchst. Nun kannst du viel gezielter auf die Suche nach einem geeigneten Therapeuten für dich gehen.


