Ekinda-Online

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Stationen im Leben von Ekindas

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“Es muss doch mal endlich vorbei sein. Du bist doch jetzt erwachsen und deine Kindheit liegt schon so lange zurück. Ich schlage vor, du reißt dich mal zusammen.”

So oder anders reagieren Außenstehende nicht selten, wenn ein Ekinda über Jahre immer und immer wieder mit den selben Problemen ankommt, die es selbst nicht versteht und für die es keine Lösung findet und die der Außenstehende noch weniger versteht, da ja offensichtlich alles vorbei ist. Über lange Zeit ist ein erwachsenes Kind in bestimmten Teilen seines Selbst tatsächlich ein Kind. Diese Teile denken, fühlen und handeln wie das Kind, welches Tag für Tag in einer Suchtfamilie um Aufmerksamkeit, Anteilnahme nicht selten sogar um das eigene Leben gekämpft hat. Wann immer der Schmerz zu groß wurde, blendete dieses Kind einen Teil weg um weiter Leben zu können. Die abgeblendeten Teile werden dann nicht erwachsen. Sie verbleiben in der Situation in der sie sich abgespalten haben und kehren im erwachsenen Menschen als dunkle Schatten, nicht unterdrückbare Mechanismen, Ängste, unlogische Verhaltensweisen, Gefühlstaubheit, Nicht-Zugehörigkeit, Einsamkeit und anderen, allen Ekindas wohl bekannten Begleitern wieder. Das Abspalten dieser Teile war in der bedrohlichen Situation, in der sich das Kind befand, absolut lebensnotwendig. Dies gilt nicht nur für extreme Gewaltsituationen. Es gilt auch für Situationen in denen sich das Kind im wahrsten Sinne des Wortes mutterseelenallein und verlassen gefühlt hat. Auch das ist für ein Kind ein existenzbedrohender Zustand. Ist der Mensch herangewachsen und die abgespaltenen Teile sind in der Vergangenheit verblieben, wird aus dem erwachsenen Kind, dass in seiner Familie immer versucht hat die volle Verantwortung für alles zu übernehmen, ein kindlicher Erwachsener, dessen kindliche Teile ihn daran hindern ganz erwachsen zu sein. Er wird immer noch so handeln wie das erwachsene Kind, versuchen die Mechanismen und den Schutz, den es zwangsweise erlernt hat, aufrecht zu erhalten, in dem festen Glauben daran, dass die Welt untergeht, wenn es das nicht tut. Zum Teil ist das auch wirklich so, denn die bedrohlichen Situationen sind für ein Ekinda noch immer höchst präsent, denn ein Teil von ihm ist tatsächlich in der Vergangenheit stehen geblieben. In diesem Zustand gibt es so etwas wie „verjährung“ nicht. Um so etwas wie ein Linderung über die Zeit zu Erfahren, eine Besserung des eigenen Zustandes sind bestimmte Voraussetzungen nötig. Sind diese gegeben, setzt eine langjährige Phase der Genesung ein, in der das Ekinda verschiedene Stadien durchläuft in denen die abgespaltenen Teile des Selbst in die Gegenwart geholt werden können. Manche Stadien werden dabei öfters wiederholt, da nicht alle abgespaltenen Teile gleichzeitig und durch die gleichen Hebel in die Gegenwart geholt werden können. Jedes Stadium hat seine ganz eigene Form und auch Funktion die Berücksichtigt werden muss, damit der Mensch nicht in dem aktuellen Stadium stehen bleibt.
Die Stadien sind nicht immer klar voneinander getrennt, sondern laufen fließend ineinander über. Es ist auch möglich mit verschiedenen Teilen in unterschiedlichen Stadien zu sein.

Absorbiertheit

In diesem Stadium ist das Ekinda noch in einem starken Abhängigkeitsgeflecht mit seinen Eltern verwoben. Das in der Pubertät notwendige Ablösen vom Elternhaus wird nicht selten vollkommen von den Eltern unterbunden. Als Kind war es für sie noch recht „einfach“ das Kind unter Kontrolle zu halten. In der Pubertät, wenn so etwas wie Auflehnung überhaupt nur Ansatzweise möglich ist, wird diese direkt durch emotionale Erpressung, Demütigung, fortgesetzte Gewalt und deren Androhung, aufzwingen der eigenen Bedürftigkeit von den Eltern im Keim erstickt. Meistens Verschärft sich hier die Abhängigkeit des jugendlichen Kindes von den Eltern besonders und das liegt an den Strategien und Mechanismen, welche die Eltern nutzen um das Kind zu halten. Jemand der immer nur schlecht behandelt wird, wird sich spätestens im jugendlichen Alter Gedanken darüber machen und sich aufzulehnen versuchen. Besteht aber die Strategie darin mit enormem psychischen Druck auf der einen Seite und „verwöhnen“ auf der anderen Seite auf einen Menschen einzuwirken, wird das heranwachsende Ekinda in einen zerreißenden Zustand versetzt an dem es letztendlich auch brechen kann und somit völlig gefügig wird. Diese Mechanismen existieren auch schon vorher und wirken auf das Kind ein aber im jugendlichen Alter werden sie offensichtlicher und belastender. Das Kind strebt nach Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern und wird das „verwöhnen“ einfach als besondere Zuwendung erleben und sich teilweise übermäßig dankbar erweisen. Ein Jugendlicher hingegen kann eventuell diesen Mechanismus erfühlen und das „verwöhnen“ innerlich ablehnen, auch wenn er sich in der Situation als Ekinda kaum durchsetzen wird, weil die Macht der Eltern größer ist. Verwöhnen ist hier in Anführungszeichen geschrieben, da es sich hier nicht selten gar nicht um Verwöhnung handelt, sondern um die Erfüllung grundlegender Bedürfnisse die dem Ekinda allerdings sonderbar gütig oder besonders erscheinen, weil die Erfüllung seiner Bedürfnisse oft sehr eingeschränkt ist.
Ist das Ekinda dann erwachsen geworden hört der Einfluss der Eltern nicht auf, selbst dann wenn das Ekinda zu Hause auszieht. Ausziehen kann eine Grundlage für Genesung werden, doch hierfür zusätzlich absolut notwendig ist der eigene, feste Entschluss des Ekindas zunächst eine Trennung von den Eltern herbei zu führen. Ist dies nicht der Fall, werden die Eltern mit etablierten Mechanismen das Leben des Ekindas in grobem Maße beeinflussen und steuern, weit in das erwachsenen Alter hinein.

Eine Hilfe ist das Ausziehen bei den Eltern schon. Die Ekindas beginnen dann Stück für Stück sich ein eigenes Leben aufzubauen. Wann immer sie aber in eine Situation geraten, in denen sie den gewohnten Mechanismen ausgesetzt werden, ruft dies wieder die abgespaltenen Teile auf den Plan und das Ekinda fällt in die alten Verhaltensweisen zurück und fühlt sich diesen nicht selten hilflos ausgeliefert. Dieser Zustand wird immer dann wieder ungeschwächt auf den Plan treten, wenn das Ekinda in Kontakt mit den Eltern gerät oder auch, wenn das Ekinda sich auf eine machtbestimmte Beziehung einlässt in der die selben Mechanismen wirken. Es wird die altbekannten Konzepte verwenden um diese Mechanismen irgendwie zu überleben, Dinge ausblenden, gefügig sein, vollkommen ohne Wut. Das sind die Handlungskonzepte die es kennt, die als Kind sicher notwendig waren, nicht jedoch als Erwachsener.

Hieraus entsteht nun ein Problem für das Ekinda. Auf der einen Seite kann es aus diesen Mechanismen nicht ausbrechen, weil es keine Alternativen kennt. Es fühlt zwar, dass es ihm nicht gut geht, aber die Auflehnung gegen die Mechanismen führt immer zuerst zu erhöhtem Schmerz, bei sich selbst und (seiner Wahrnehmung nach) bei den anderen, die es auf keinen Fall verletzen möchte oder darf. Also bleibt es wo es ist. Auf der anderen Seite ist es nun schon ein bewusster Erwachsener, dem auffällt, dass etwas mit dem eignen Verhalten anders ist, dass Dinge, die Anderen im gleichen Altern selbstverständlich sind fehlen. Was also tun?

Der erste notwendige Schritt, den das Ekinda entdecken muss ist, sich über die eigene Autonomie als Erwachsener klar zu werden. Diese Art der Emanzipation von den Mechanismen muss sich nicht immer zuerst an einer Auseinandersetzung mit den Eltern äußern. Viel häufiger geschieht dies zuerst in Beziehung zu anderen Menschen mit denen Ekindas auf emotionale Weise verbunden sind. Das ist einfacher, weil nicht so bedrohlich. In diesem Zusammenhang muss man sich daran erinnern, dass Teile des Ekindas noch in Situationen festhängen, in denen sie als Kind von den Eltern unerträglichen Schmerz in irgendeiner Weise erfahren haben. Das ist noch präsent und sie schützen sich davor mit Ausblendung, die erst einmal nicht reflektiert wird. Vielmehr werden sie alles Versuchen, die Trennung die dadurch entsteht, zu überbrücken und zu überwinden. Da diese Bemühungen aber nur von ihnen ausgehen, und nicht von den Eltern erwiedert werden, die nach Macht über ihr „Kind“ (denn das soll es immer bleiben) streben und nicht nach Zusammengehörigkeit, wird der Brückenbau so niemals gelingen und das Ekinda bleibt frustriert über die eigene Unfähigkeit zurück, die gar nicht existiert, weil nicht das Ekinda, sondern die Eltern in diesem Punkt unfähig sind. Und die Situation dreht sich im Kreis. Das Ekinda ist Absorbiert von anderen und Gefangener der Situation, in der es zwar merkt, dass etwas nicht stimmt, es aber nicht erkennen kann, was es denn ist, dass es so anders als andere macht.

Abstreifen und Leugnung

Abstreifen und Leugnung kann man als zwei Verschiedene Stadien ansehen je nachdem wie man sie versteht. So wie ich sie hier verwenden möchte gehen sie jedoch in einem Stadium auseinander hervor. Leugnung in dem Sinne, dass ein Ekinda leugnet, dass seine Eltern abhängig sind, findet sich sehr ausgeprägt in der Phase der Absorbtion wieder. Das ist Teil des Mechanismus der besagt, dass nichts nach Außen dringen darf und es auch gar nichts gibt, was nach Außen dringen könnte, weil ja alles in Ordnung ist. Auf der anderen Seite ist da die Scham für das was in der Familie vorgeht und was das Kind unterschwellig immer als große Last der Wahrheit mit sich herumträgt. Diese Scham wird von Außenstehenden nicht selten sehr brutal durch Tratschen, Spielverbote der eignen Kinder mit den Kindern von Abhängigen, Fingerzeigen, Hänseln und dergleichen stark gefördert.
Es gibt jedoch noch eine andere „spätere“ Form der Leugnung die eine andere Funktion erfüllt und die aus dem Abstreifen hervor geht.

Besonders deutlich wird das Stadium des Abstreifens bei Ekindas, die ihre Eltern durch die Sucht an den Tod verloren haben. Was auch immer Ekindas mit ihren Eltern erlebt haben ist der Tod ihrer Eltern doch ein besonders schmerzhaftes und einschneidendes Ereignis, wie für alle Menschen die jemanden verlieren den sie geliebt haben, denn Ekindas lieben ihre Eltern, selbst wenn sie später noch so wütend, beschämt oder distanziert sind. Ekindas lieben ihre Eltern sehr intensiv, nicht zu letzt auch deshalb, weil sie sich ihr Leben lang nach der Gegenliebe ihrer Eltern gesehnt haben, die alles andere als selbstverständlich für sie war. Beim Tod der Eltern kommt für ein Ekinda noch eine weitere Sache hinzu. Es katapultiert das Ekinda aus dem Gefängnis in dem es sein ganzes Leben verbracht hat. Der Tod der Eltern, so tragisch und schmerzhaft er auch ist, wird auf eine Weise auch als Erlösung empfunden. Dieses empfinden hat jedoch zunächst keinen Platz. Die Devise und erste Reaktion folgt dem Motto: „Bloß weg hier.“ Es wird im Tod der Eltern plötzlich möglich die Dinge hinter sich zu lassen und nicht mehr den üblichen Mechanismen zu folgen. Diese Ekindas wollen dann alles Vergessen, Abstreifen und nichts mehr mit der ganzen Sache zu tun haben.

Auch für Ekindas deren Eltern nicht gestorben sind kommt diese Phase des Abstreifens, nämlich dann, wenn sie sich bewusst und ohne Kompromisse von den Eltern lossagen. Sie treffen für sich die Entscheidung sich vollkommen von den Eltern zu lösen und nichts mehr mit ihnen zu tun haben zu wollen. Bei Ekindas die diesen strikten Bruch durch Tod oder Lossagen nicht haben ist das Stadium des Abstreifens nicht wirklich greifbar, da sie nicht ignorieren können, dass die Mechanismen noch da sind und es gar nicht möglich ist alles Abzustreifen. Es kann aber sein, dass das Abstreifen in bestimmten Lebensbereichen gelingt, während es in anderen Bereichen schier unmöglich erscheint. Diese Ekindas können jedoch nicht sagen: „Ich will damit nichts mehr zu tun haben, sondern es einfach hinter mir lassen.“ Durch die noch vorhandene Situation in der sie immer wieder mit den alten Problemen konfrontiert sind, können sie die Angelegenheit nicht vollständig abstreifen, aber wenigstens zum Teil.

Das Abstreifen hat eine sehr wichtige Funktion für ein Ekinda. Wenn ein Ekinda die Mechanismen abstreift die es sein Leben lang manipuliert und gesteuert haben, dann kann es in dem was übrig bleibt sich selbst entdecken und erkennen. Es kann sich selbst kennenlernen und zum ersten Mal eine Grenze ziehen zwischen sich und anderen. Suchtkranke Eltern (nicht ausschließlich diese) unterbinden das entstehen einer individuellen Grenze äußerst erfolgreich. Das Fehlen von jeglichen Gefühlen von Wut ist ein sehr aussagekräftiges Indiz dafür, dass diese Grenze fehlt. Geschieht einem Menschen ohne Grenze Unrecht oder dringt jemand zu sehr in seine Privatsphäre ein, dann wird er sich deswegen diffus schlecht fühlen und nicht wissen woher dieses Gefühl nun wirklich kommt. Notwendig wäre hier Wut um die Grenze zu verteidigen und anderen diese überschrittene Grenze aufzuzeigen, wenn diese sie nicht respektieren.

Im Stadium des Abstreifens kommt es aus diesen Gründen zu einer ausgeprägten Wut. Anfangs kann es recht schwierig für Ekindas sein zu entscheiden, wann es richtig ist wütend zu sein und welches Maß an Wut angemessen ist. Nicht selten wird es in Situationen, die es an die alten Mechanismen und Machtstrukturen in irgendeiner Weise erinnern, mit überschäumender Wut reagieren, selbst wenn die Situationen anders sind. Wichtig allein ist das Gefühl es könnte wieder darauf hinaus laufen oder die Bedrohung durch Schmerz ist in irgendeiner Weise präsent.
So wichtig und heilsam das finden der eigenen Wut auch ist, wird sie von Ekindas nicht selten scharf verurteilt. Über kurz oder lang akzeptieren sie zwar diese Wut und können sie rational erklären jedoch halten sie diese Wut auch für einen Charakterfehler, für böse oder falsch, auch wenn sie innerlich fühlen, dass diese Wut richtig ist und sein muss. Da Ekindas gelernt haben ihrer eigenen Wahrnehmung nicht zu vertrauen, geraten sie darüber nicht selten in einen schwierigen Konflikt der ihr meist schon sehr geringes Selbstwertgefühl zusätzlich untergräbt. Die Umwelt, die diese Wutausbrüche nicht nur nicht versteht sondern sogar als Hysterisch abwertet, beziehungsweise dazu verwendet manipulativ einzuwirken, verstärkt diesen Effekt.

Diese Phase ist sehr Kraftintensiv und wird an dem Punkt mit Leugnung abgewechselt an dem die Kraftreserven aufgebraucht sind. Diese Form der Leugnung ist eine andere als im Stadium der Absorbtion. Es wird nicht geleugnet, dass die Eltern abhängig waren, sondern es wird geleugnet, dass dies immer noch Auswirkungen auf das jetzige Leben hat. Der Betreffende fühlt dann: „Ich bin darüber hinweg. Es lässt mich kalt.“ Mit dieser Einstellung gelingt die „Konversation“ mit der Gesellschaft, denn in diesem Zustand kommen Ekindas in einem Stadium an, wo sie so sind, wie die Gesellschaft es am besten ertragen und akzeptieren kann. Sie hören dann von den Ekindas selbst, was ich am Anfang des Artikels als Äußerung der Anderen über Ekindas zitiert habe. Es kann in dieser Zeit sogar eine Art Zugehörigkeitsgefühl entstehen. Die Gesellschaft honoriert diese Äußerung aus dem Munde eines Ekindas, entsprechend mit: „Ich habe auch schlechte Dinge in meiner Kindheit erlebt und bin auch darüber hinweggekommen. Gut, dass du es auch geschafft hast.“ Was soviel heißt wie: jetzt sind wir endlich beieinander angekommen. Für ein Ekinda ist das erst einmal eine sehr außergewöhnliche Erfahrung und es gibt ihm das Gefühl „es geschafft“ zu haben. In der Gesellschaft integriert zu sein und vielleicht auf eine Weise dazuzugehören. Zumindest rational. Die Gefühle jedoch machen da nicht lange mit. Die Wutphase kommt wieder und wechselt sich ab mit der relativ ruhigen Phase des Leugnens. Denn: die Mechanismen sind noch da und spielen dem Ekinda mehr oder weniger übel mit. Wenn sie weniger stark sind, dann kann es sein, dass Ekindas in diesem Stadium im Wechsel von Abstreifen und Leugnung verbleiben und sich so in ihrem Leben einrichten, zumindest für längere Zeit. Wirkt die Spannung zwischen dem Versuch alles Vergangene abzustreifen und dem Umstand, dass Teile des Selbst noch immer in der Vergangenheit feststecken und typische Mechanismen hervorrufen zu stark, ist es Zeit auf die Suche zu gehen, um zu gucken wo diese Teile tatsächlich geblieben sind, wie es ihnen geht und ob sie nicht endlich in die Gegenwart kommen möchten um das Selbst im jetzt vollständiger zu machen.

Wiederbelebung

Ist ein Ekinda zu dem Schluss gekommen, dass die Mechanismen der Gegenwart und die Probleme die ihm daraus erwachsen, mit dem Umstand zu tun haben, dass es in einer Suchtfamilie groß geworden ist und ist es bereit sich damit auseinander zu setzten, wird es auf die Suche gehen um Informationen zu finden, die dieses Thema beleuchten um sich selbst darüber klar zu werden. Diese Informationen sind ganz unterschiedlicher Natur. Es wird nach sachlichen Informationen gesucht, die mit Sucht und Suchtverhalten zu tun haben, Informationen die in irgendeiner Weise erklären, warum die Eltern sich so verhalten haben aber vor allen Dingen, mal mehr mal weniger offensichtlich werden Informationen gesucht die dem Ekinda das Gefühl geben: „Dass ich so bin, liegt tatsächlich daran. Ich bin gar nicht verrückt, anders, merkwürdig, einzig und allein so auf der Welt...“ oder wie auch immer ein Ekinda seinen „merkwürdigen“ Zustand den es nicht erklären kann beschreibt. Es sucht nach gleichem dem es sich zugehörig fühlen kann. Findet es andere Ekindas so löst diese Begegnung und Kommunikation eine Wiederbelebung des Erlebten aus. Durch die Spiegelung in den anderen erkennt es auf einmal, dass das Kind, welches damals so allein gelassen und verraten gewesen ist, nicht allein ist. Dass mit ihm viele andere Kinder das gleiche erlitten und durchwandert haben. Dass andere Ekindas auf einmal all dass, was vorher so unverständlich war, tabuisiert und von der Gesellschaft abgelehnt genau wissen wovon die Rede ist. In diesem Moment fühlen sich viele erst einmal von einer großen Last erlöst. Der Last in ein Selbst gepresst zu sein, welches einem gar nicht entspricht. Zu sehen, dass die eigene Wahrnehmung gar nicht falsch ist, sondern richtig und die Diskrepanz zwischen dem eigenen Erleben und dem wie die Gesellschaft darüber urteilt, dadurch zustande kommt, dass die Gesellschaft gar nicht wirklich weiß wovon die Rede ist. Ekindas müssen sich zunächst zusammen tun. Sie brauchen dabei einen Schutzraum der ihnen vor der Gesellschaft, durch die sie sich sonst bewertet, geprüft und verständnislos beobachtet werden, Sichtschutz bietet, damit sie sich ganz auf ihre Wahrnehmung konzentrieren können. Auf diese Weise werden sie darin bestärkt ihrer Wahrnehmung wieder zu vertrauen.

Zu lernen der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen führt dazu, dass die eigene Innenwelt neu beobachtet und entdeckt werden kann. Dies ist eine schmerzhafte Zeit. Aber sie ist auch eine gute Zeit. Eine Zeit in der die in der Kindheit verbliebenen Teile zurück geholt werden können, wenn sie so weit sind. Interessanterweise geschieht das gemeinsam und es entsteht ein Gefühl der Verbundenheit, in der eine der größten Wunden von Ekindas Linderung erfährt, dem Gefühl von der Welt abgeschnitten zu sein. Gleichzeitig findet eine Differenzierung untereinander statt, in der der einzelne als Individuum, dass er ist, sichtbar wird. Oft erkennen die anderen Ekindas das Individuum zuerst und spiegeln es dann zurück, so dass man selbst auch in die Lage versetzt wird zu erkennen was dieses Wort bedeutet „Selbst“. Mit dieser Entwicklung stellt sich eine Klarheit ein, die einen plötzlich bestimmte Mechanismen erkennen lässt. So weiß man in bestimmten Situationen schon genau was los ist, obwohl noch gar nichts statt gefunden hat. Mit dieser Klarheit verschärft sich die Auffassungsgabe für soziale Geflechte und Mechanismen von Strukturen. Das führt zu einer grundlegenden Stärkung des Selbstwertgefühls, das Gefühl von ohnmächtig Ausgeliefert sein schwindet.

Die Wiederbelebung findet auch ohne Verbindung zu anderen Ekindas statt. Viele Dinge können auch ohne andere Ekindas bearbeitet und konfrontiert werden. Klarheit kann und wird auch im Alleingang gewonnen. Jeder, selbst wenn er auch eine Gruppe gefunden hat, der sich zugehörig fühlt, muss auch für sich selbst diese Wiederbelebung durchwandern und tut dies auch in dem er sich von Zeit zu Zeit zurück zieht. Die Anderen können immer nur Anstöße geben in eine bestimmte Richtung und sie können unterstützen indem sie dem Ekinda, welches gerade schwierige Themen bearbeitet, das Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln, wenn es dies braucht, auch wenn der Weg allein gegangen werden muss. Das ist der Vorteil, wenn Ekindas sich zusammen tun. Das Gefühl für Zugehörigkeit kann nur in Gemeinschaft entdeckt werden.

Öffnung

Werden bei der Wiederbelebung die Gefühle und Gedanken durchwandert und erforscht anstatt sie beiseite zu schieben, zu kategorisieren und zu bewerten, dann stellt sich oft ganz unvermittelt ein Zustand der Ruhe ein. An diesem Punkt kommt ein Teil, welches bisher in der Vergangenheit geblieben ist, in die Gegenwart. Vielleicht ist auch noch ein wenig Schmerz und Trauer da, aber in diesem Moment sind sie ehr angenehm, etwa so, als ob man einen Splitter im Finger entfernt hat, der nun noch etwas weh tut. Man weiß, der Splitter ist draußen und die Wunde kann heilen. Wohlgemerkt ist sie noch nicht geheilt aber es ist spürbar, dass sie es tut. In diesem Moment lernen wir dem Leben (wieder) zu vertrauen und gewinnen dabei eine Freiheit die nichts mit Einsamkeit und Rückzug zu tun hat. Eine Freiheit im Sinne von Öffnung. Es wird möglich Aufrichtig über die in die Gegenwart geholten Teile zu reden, und über die Erfahrungen auf dem Weg, die anderen Ekindas helfen können sich zu orientieren. Oft hilft es auch schon, zu wissen, dass es diesen Weg gibt und dass der Zustand der eigenen Blindheit in der man gerade steckt ein Teil dieses Weges ist und kein Steckenbleiben oder eine Sackgasse.

Auch wenn dies hier auf den ersten Blick so aussieht: Diese Stadien werden nicht einmal durchlaufen und dann ist es vollbracht. Vielmehr werden diese Stadien für unterschiedliche, in der Vergangenheit verbliebene Teile mehrmals durchlaufen. Manchmal sind verschiedene Teile in verschiedenen Stadien gleichzeitig am Werk. Mit der Zeit wird einfacher. Nicht weil die Themen einfacher werden, sondern weil man weiß was mit einem los ist. Man weiß was mit einem passiert und man weiß, dass man nicht damit allein und einzig ist auf der Welt, wenn man Zugehörigkeit gefunden hat. Der Schmerz ist nicht mehr so brennend, weil man keine Angst mehr hat ihn zuzulassen ebenso wie die eigenen Gefühle, denn es ist nun unser Schmerz und unsere Gefühle, und dass sind wir, die wir diese durchleben. Mit jedem Teil den wir zurückgewinnen können, werden wir lebendiger, wird unserem Leben ein Teil Lebensqualität (zurück?)geschenkt, ein Gefühl das an sich einzigartig ist, dass wir nicht mit gut oder schlecht bewerten müssen, sondern dass einfach ein Gefühl sein darf. Eines unter vielen die das Leben farbig und Leidenschaftlich machen. Ich möchte hier am Schluss noch einmal dafür plädieren, dass es sich lohnt nach Lebendigkeit zu suchen, nach Zugehörigkeit und Freiheit. Sie sind da, für jeden der kommt und danach fragt. Die dunklen Zeiten werden immer wieder mal wieder kommen. Es wird immer wieder Dinge geben die zu bearbeiten und anzuschauen sind, Probleme die zu lösen sind. Das Geheimnis aber ist, dass sie Wege sind die wir gehen können um im Leben anzukommen und Dinge zu finden an die wir lange schon gar nicht mehr oder je geglaubt haben.

 

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