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Resilienz

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Welche Fähigkeiten gehören zur Resilienz?

Menschen mit einer hohen Resilienz sind in der Lage, selbst Extremsituationen denen sie ausgesetzt waren, zu bewältigen, ohne größeren Schaden zu nehmen. Sie verfügen selbst in tiefen Lebenskriesen über eine innere Stärke, welche es ihnen ermöglicht, den vielleicht sogar unmenschlichen Gegebenheiten zu trotzen. Sie sind wie ein Stehaufmännchen: Sie kommen aus jeder Schieflage wieder in eine aufrechte Position, die es ihnen erlaubt, erfolgreich ihr Leben zu meistern. Darin liegt ein fest verwurzelter Wille zu überleben, Rückschläge auszuhalten und Schwierigkeiten aktiv zu meistern. Sie resignieren nicht sondern nehmen die Herausforderungen, die das Leben an sie stellt, immer wieder an und bewältigen sie mit Mut, Hoffnung und dem Glauben daran, dass das Leben immer seinen Weg findet.Menschen mit hoher Resilienz lassen sich von den Widrigkeiten des Lebens nicht aus der Bahn werfen, sondern schaffen es, selbst in schwierigen Situationen den Frieden in ihrer Seele zu bewahren. Sie sind der generellen Überzeugung, dass sie den Anforderungen des Lebens gerecht werden können, und glauben daran, dass sie das, was auch immer kommen mag, irgendwie bewältigen werden. Sie vertrauen darauf, dass sie über die nötige Kompetenz verfügen ihr Leben zu meistern. Sie haben ein ausgeprägtes Kohärenzgefühl: Sie werden begleitet von einem grundlegenden Vertrauen daran, dass alles seinen Sinn hat, dass Dinge von einer bestimmten Position aus gesehen verstehbar werden und das der Mensch im Grunde seines Wesens über alle Dinge verfügt, die er braucht um sein Leben zu bewältigen.

Resilienz ist eine wesentliche Eigenschaft von Lebewesen, ohne diese könnten sie nicht überleben. Vielleicht unterscheidet sich die Ausprägung der Resilienz von Individuum zu Individuum, je nach inneren und äußeren Gegebenheiten. Es ist möglich die eigene Resilienz zu stärken, zu schützen, zu entwickeln. Nützliche Übungen hierzu werden im Mitgliederbereich vorgeschlagen. Im folgenden Abschnitt greife ich ein paar der Eigenschaften heraus, welche die Resilienz steigern können. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig. Sie soll nur eine Anregung sein, über die eigene Resilienz nachzudenken, eigene Strategien zu entwickeln und sich über die Mechanismen der eigenen Handlungen klar zu werden.

Was stärkt die eigene Resilienz?

Im Prinzip gilt, dass alle Dinge die einen stark machen auch die Resilienz verbessern. Dazu gehören Beziehungsfähigkeit, Eigenantrieb, die Fähigkeit negative Gefühle und Gedanken zu kanalisieren um sie damit umzuwandeln, Hoffnung, Selbständigkeit, die Fähigkeit die eigenen Wunden zu heilen, Phantasie, Kreativität, Unabhängigkeit, die Fähigkeit sich von anderen abzugrenzen und sich gegen das überschreiten dieser Grenzen zu wehren, Humor, Entschlossenheit, Verantwortungsbewußtsein, Aufrichtigkeit, Mut, Einsicht, Selbstreflexion, die Fähigkeit Ereignisse zu überdenken und für sich selbst zu verändern und sicherlich noch viele Dinge mehr. Ich möchte hier einige davon herausgreifen und ein wenig besprechen. Wie oben bereits erwähnt, werden im Mitgliederbereich auch ganz praktische Übungen zum ausprobieren und experimentieren angeboten. Diese Dinge stehen nie für sich allein, sondern durchwirken sich wie ein filigranes Gewebe, jede Förderung einer Resilienz-Steigernden Fähigkeit unterstützt und beeinflusst auch die anderen Fähigkeiten.

Eigenantrieb

Die Fähigkeit aus eigenem Antrieb zu handeln, Dinge zu verändern und das Leben in die eigene Hand zu nehmen, ist bei Ekindas häufig sehr ausgeprägt. Dies liegt an der Situation an sich. Vielen wurde von Anfang an keine Anleitung, Unterstützung oder Hilfe zu Teil. In einer Familie mit süchtigen Eltern zählt nur die Sucht. Sind Kinder vorhanden, sind diese als Personen nicht wirklich existent. Es geht niemals um sie oder ihre Bedürfnisse. So kommt es, dass das Kind aus der puren Notwendigkeit heraus lernt für sich selbst zu sorgen, für andere zu sorgen. Das Kind versucht damit den Mangel auszugleichen, den es durch die äußeren Umstände massiv auf sich einwirken spürt, und der sein Leben bedroht. So ist das Kind von Anfang an auf seine eigene Selbständigkeit angewiesen und nicht selten sind auch die Eltern auf die Selbständigkeit des Kindes angewiesen, weil sie nur so ihren nicht vorhandenen Eigenantrieb rechtfertigen können ("das Kind kommt schon zurecht"). Die Eltern selbst werden von der Sucht angetrieben und sind oft selbst nicht in der Lage auch nur für ihre eigenen Bedürfnisse zu sorgen und ihre Situation aus eigenem Antrieb heraus zu verbessern. Alle Ekindas mit welchen ich mich bisher ausgetauscht habe, sagen von sich selbst, dass sie am liebsten ihre Angelegenheiten selbst regeln, dass sie, sobald es eine Aufgabe zu lösen gibt die Ärmel hochkrempeln und sich schon irgendwie durchbeissen.

Wechselwirkungen mit anderen Resilienz-Steigernden Fähigkeiten:

Der starke Eigenantrieb bewirkt eine ausgeprägte Selbständigkeit und wirkt sich positiv auf das Selbstbewußtsein aus. Sie unterstützt das Gefühl dem Leben gewachsen zu sein und das Glück in den eigenen Händen zu halten. Sie schenkt Unabhängigkeit und Verantwortungsbewusstsein. In Konflikt gerät die Fähigkeit des Eigenantriebs mit der Fähigkeit der Beziehungsfähigkeit. Sie verleitet dazu, die Grenzen um sich selbst zu eng zu ziehen und sich das Leben unnötig schwerer zu machen, als es sein muss, weil man sich nicht Helfen lassen will, sondern sowieso alles allein kann. Es besteht auch die Gefahr, Leuten die einen Mangel an Eigenantrieb haben, ihre Eigenverantwortung abzunehmen und sich stattdessen für die betreffenden Personen aufzuopfern. Der Mensch mit dem starken Eigenantrieb lebt dann im schlimmsten Fall nicht mehr nur sein eigenes Leben, sondern ebenfalls das Leben anderer, welches er regelt - und auch kontrolliert. Eng damit verknüpft ist die Gefahr der Selbstaufgabe, da hier die Fähigkeit untergraben wird Distanz zu schaffen und seine eigenen Grenzen zu wahren und zu verteidigen.

Stabilisierung des Eigenantriebs

Ein starker Eigenantrieb wird in seinen positiven Eigenschaften darin stabilisiert, dass er zusammen mit einer guten Selbstreflexion arbeitet, die immer wieder darauf aufmerksam macht: Wo sind meine Grenzen? Wann habe ich meine Ressourcen verbraucht und muss mich erst wieder stärken, bevor es weiter geht? Was ist es, das mir wirklich fehlt? Was ist das höchste Ziel, das ich in meinem Leben erreichen will und welche Teilziele muss ich dafür erreichen? Was ist unwichtig und kann weggelassen werden? Wo kann ich meine Tatkraft sinnvoll für andere Einsetzten ohne ihnen gleich alle Entscheidungen, alle Arbeit und alle Verantwortung abzunehmen. Der starke Eigenantrieb ist das Geschenk der Kraft, die uns ermöglicht alle unsere Ziele zu erreichen - fehlen diese Ziele jedoch, passiert es schnell, dass sich der Eigenantrieb gegen uns wendet.

Kreativität und Phantasie


Kinder in Familien mit suchtkranken Eltern sind einer kaum zu ertragenden Realität von Gewalt, Erniedrigung und Vernachlässigung ausgesetzt. Das Kind hat mit einer Menge an Gefühlen wie Einsamkeit, Angst und Verletzung zurecht zu kommen. Für diese Gefühle ist in der Suchtfamilie noch weniger Raum vorhanden als für das Kind selbst. Hier kommt dem Menschen eine Fähigkeit zu Hilfe die in der Lage ist, diese Gefühle zu kanalisieren und umzuwandeln. Durch die Phantasie wird das unsagbare auf einmal in eine Form gebracht, in welcher es sich zum Ausdruck bringen läßt und nach außen dringt. Die Kreativität setzt das Phantasierte in die Realität um. Da wo keinerlei Platz ist für das Kind das man einmal war, für die Gefühle und Gedanken, die das Kind hat, öffnet sich in der Phantasie und Kreativität eine Tür die es ermöglicht, durch die Erfindung und Erschaffung von etwas neuem auf die Welt einzuwirken und sie zu verändern. Sie ermöglicht auch etwas auszudrücken, was niemand hören will oder etwas, dass man so nicht direkt zum Ausdruck bringen kann, weil es für unseren Verstand nicht fassbar ist. Die Kreativität ist eine Form der Kommunikation der eigenen Innenwelt mit der Außenwelt und die Phantasie ist ihre Sprache.

Wechselwirkung mit anderen Resilienz-Steigernden Fähigkeiten

Eine ausgeprägte Phantasie und Bereitschaft zu kreativem Handeln schenkt das Gefühl, etwas in der Welt verändern zu können und die Welt nach seinen Wünschen gestalten zu können. Sie steht damit in engem Zusammenhang mit der Fähigkeit des Eigenantriebs. Der Eigenantrieb spielt sich dabei zu einem großen Teil auf der Ebene des Verstandes und des Wollens ab. Kreativität und Phantasie hingegen drücken nicht selten Dinge aus, die sich dem Verstand bis zu einem gewissen Grad entziehen. Da wo der Verstand noch grübelt hat das Herz bereits die Melodie, das Bild, die Skulptur, die Geschichte schon verstanden und bedarf keiner weiteren Worte. Ein sehr dominierender Eigenantrieb kann damit auf der einen Seite, durch eine Betonung des Verstandes die Kreativität beeinträchtigen. So versäumt man zum Beispiel vor lauter Pflichten, sich ins Gras zu legen und die Gedanken mit den Wolken ziehen zu lassen oder man hält es für zeitraubend Pinsel und Farben heraus zu kramen nur um ein bisschen verträumt vor sich hinzumalen und sich dem Augenblick hinzugeben. Auf der anderen Seite kann der Eigenantrieb zu einem starken Partner für die Kreativität werden, der ihr Zeit und Raum vor anderen Dingen einräumt. Das ist eine Frage der Zielsetzung. Die Phantasie, Kreativität brauchen keine Zielsetzung, ganz im Gegenteil, sie brauchen Freiheit um sich zu entfalten. Aber sie brauchen die Zielgerichtetheit des Eigenantriebs, der ihnen Raum für diese Freiheit verschafft und diesen Raum auch wieder zurück nimmt, wenn es nötig ist.
Problematisch kann die Phantasie werden, wenn sie anstatt einer schöpferischen Kreativität, eine resignierte Weltflucht zum Grunde hat. Es gibt sicherlich Situationen in denen die Phantasie den Verstand vor einem Zusammenbruch schützt, und für das gelegentliche Ausblenden der Realität ist sie dann ein wertvolles Werkzeug, aber sie muss den Verstand auch wieder freigeben, bevor der Verstand für die Realität blind wird.

Stabilisierung der Phantasie

Der Natur der Phantasie widerspricht es, kontrolliert und reglementiert zu werden. Paradoxer Weise kann sie sich dann am fruchtbarsten Entfalten, wenn sie einen geeigneten Rahmen erhält. Diese gesetzte Grenze gibt dem Verstand die Sicherheit die er braucht um der Phantasie ihre Freiheit zu lassen. Wenn der Kopf weiß, dass er der Phantasie folgen kann, ohne Furcht davor, vielleicht nicht mehr zurück zu finden, dann kann er loslassen und der Phantasie die Freiheit gewähren, die sie braucht. Wie sieht so ein Rahmen aus? Dieser Rahmen besteht daraus, dass man mit beiden Beinen in der Realität steht, einen Sinn für praktische Angelegenheiten und das über die Sinne erfahrbare hat. Das allein führt jedoch oft zu einer zu rationalistischen Einstellung, welche der Phantasie gerade keine Berechtigung einräumt. Es fehlt da noch etwas, nämlich die Einsicht und das Eingeständnis, das wir die Phantasie brauchen, das sie uns bereichert und uns lebendig macht. Das sie es ist, aus der die Ziele für den Eigenantrieb erst wachsen können, weil sie durch ihre Freiheit und Weite Sehnsucht erzeugt. Sehnsucht wird zu Wünschen und Wünsche werden zu Zielen und Ziele bringen unser Leben voran, gibt ihm Sinnhaftigkeit und Richtung.

Beziehungsfähigkeit

Die Beziehungsfähigkeit ist etwas, das vielen Ekindas Schwierigkeiten bereitet. Eine gesunde Beziehung lebt von der Gegenseitigkeit. Gegenseitiges Vertrauen, Fürsorge für einander, das Interesse das man jemandem entgegenbringt und auf der anderen Seite vom anderen Empfängt haben in einer Suchtfamilie aus nun schon vielfach genannten Gründen keinen Platz. Da wo die ganze Familie nur noch um die Sucht kreist, geht die Beziehungsfähigkeit verloren. Viele haben eigentlich keine rechte Vorstellung davon, was das bedeutet: Beziehung. Stattdessen wird Beziehung gegen eines von zwei Ersatzmustern ausgefüllt - völlige Aufopferung oder verweigernde Einsamkeit. Nicht selten, lebt man zunächst in einer der beiden Ersatzmuster bis man die Nase voll davon hat und wechselt dann in das andere anstatt sich über die wahre Bedeutung von Beziehungen klar zu werden. Die Suche nach dieser Bedeutung ist sicherlich nichts, was nur Ekindas betrifft. Viele Menschen, die eine normale Kindheit verbracht haben, könnten sicherlich ebenso wenig sagen, was die wahre Bedeutung des Wortes Beziehung ist (oder noch schwieriger: die wahre Bedeutung des Wortes Liebe). Aber: Für Ekindas hat das Fehlen dieser Bedeutung sehr viel weitreichendere und fatalere Folgen als für nicht-Ekindas. Ein Mensch der in einer gesunden Familie aufgewachsen ist, hat eine bestimmte Vorstellung von sich, die er Identität nennt. Diese Identität tritt in Wechselwirkung mit seiner Umwelt. In einer Beziehung zu einem anderen Menschen erkennt er einen Teil von sich selbst wieder. Da wir soziale Wesen sind, schenkt ihm dieses Wiedererkennen Lebendigkeit, welche in verschiedenen Gefühlen zum Ausdruck kommt. Diese Gefühle wiederum bewirken einen Zustand der Integration und Zugehörigkeit zu dieser Welt und verstärken darüber die Identität, weil das Individuum sich, so wie es ist angenommen fühlt, als Teil und als Ganzes. Die beiden Ersatzstrategien unterbinden diesen Vorgang auf unterschiedliche Weise, weil die Vorstellung von der eigenen Identität verschoben ist.

Ekindas haben gelernt, dass sie keine Grenzen haben. Kinder entwickeln dann eine gesunde Einstellung zu Beziehungen, wenn ihnen die für sie verantwortlichen Erwachsenen Grenzen zugestehen. Das Recht auf diese Grenzen wird in Suchtfamilien mit Füssen getreten. Es verfällt das Recht darauf Unversehrt zu sein, weil Kinder hochgradiger Gewalt ausgesetzt werden. Es verfällt das Recht auf eine eigene Privat- und Intimspäre, weil Kinder mißbraucht und geschändet werden. Es verfällt das Recht auf die eigenen Gefühle, da die Gefühle der süchtigen Eltern (die sich nicht selten nur noch auf Wut oder Resignation beschränken) uneingeschränkt Raum fassen. Es verfällt das Recht auf die existentiellen Bedürfnisse wie Sauberkeit, Hunger, Schlaf, Kommunikation, weil niemand mehr überhaupt registriert, dass das Kind noch da ist. Je nachdem welche Strategie das Kind zum Ausgleich dieser Grenzenlosigkeit verfolgt, wird es beim Knüpfen von Beziehungen die eine oder andere Ersatzstrategie zunächst bevorzugen. Für die gesunde Wechselwirkung in einer Beziehung fehlt ihnen das Konzept der Identität. Die Zugehörigkeit zur Welt, wird bei der Strategie der Selbstaufgabe darin gesucht, sich vollständig mit einer anderen Person zu verschmelzen, was eine Illusion ist, weil wir als Menschen gerade Individuen sind. Bei der Strategie der verweigernden Einsamkeit wird der Wunsch nach Zugehörigkeit zur Welt damit gelöst, dass man dieses Bedürfnis abstreitet, aber auch das ist eine Illusion, wie schon gesagt, sind wir soziale Wesen, die tiefe Lebendigkeit in der Beziehung zu anderen finden. Ob du zu einer dieser beiden Ersatzstrategien neigst, kannst du ganz leicht feststellen: wolltest Du auf die Palme gehen oder sind dir direkt fünf Gründe dagegen eingefallen, als ich von der jeweiligen Strategie behauptet habe, dass sie nur Illusion ist?...

Es ist nicht alles so schwarz, weiß. Wir alle befinden uns in irgendwelchen Zwischenzuständen von wahren Beziehungen oder der ein oder anderen Ersatzstrategie (es würde mich auch nicht wundern wenn es noch mehr davon gibt) und wir befinden uns auch nicht immer im selben Zustand. Wenn wir jedoch rückblickend unser Leben betrachten, wird schon klar, welche der drei Strategien wir bisher bevorzugt haben.

Wechselwirkung mit anderen Relienz-Steigernden Fähigkeiten

Gerade weil die Beziehungsfähigkeit so grundlegend für das Menschsein ist, hat ihre Ausprägung weitreichende Auswirkungen auf unsere gesamte Art zu sein. Eine gute Beziehungsfähigkeit schenkt Hoffnung und Mut. Mehr als durch alles andere, gewinnt man durch Beziehungsfähigkeit ein Gefühl der Lebendigkeit und Integrität im Leben, die es einem ermöglicht Schwierigkeiten zu meistern und Rückschläge auszuhalten. Beziehungsfähigkeit gibt einen sicheren Rahmen in dem Gefühle wieder möglich werden. Nicht selten haben Ekindas Schwierigkeiten damit, überhaupt etwas zu fühlen, so dass sie sich ehr wie funktionierende, vielleicht auch hochintellektuelle Etwasse erleben und die Welt um sie herum als ein Uhrwerk, welches mehr oder weniger gut seine Zahnrädchen dreht. Anstelle der Lebendigkeit tritt eine sichere aber ernüchternde Gleichgültigkeit (verweigernde Einsamkeit) oder aber ein konfuses Gefühlswirrwarr in dem sich der Betreffende gänzlich verliert (Selbstaufgabe).

Stabilisierung der Beziehungsfähigkeit

Die Beziehungsfähigkeit steigt in dem Maße, in dem man in der Lage ist sich selbst zu begegnen und zu erkennen. Zunächst unabhängig von anderen und dann mit anderen. Das klingt zunächst nach den beiden Ersatzstrategien, ist aber nicht der Fall. Sich zurück zu ziehen um sich selbst zu begegnen ist etwas völlig anderes als sich zurück zu ziehen, weil andere einen in Ruhe lassen sollen. Mit anderen eine echte Wechselwirkung einzugehen, ist etwas völlig anderes als einem andern alles zu geben, und im Gegenzug alles zu fordern. In der Begegnung mit uns selbst lernen wir und selbst wieder zu fühlen, lernen die Bedürfnisse die wir haben wahrzunehmen, zu verstehen und auf eine mit uns selbst rücksichtsvolle Weise zu befriedigen. Diese Begegnung lotet die eigenen Grenzen behutsam aus. Die Grenze die am Anfang ganz eng um einen geschnürt ist, kann Schritt für Schritt geweitet werden, bis sie eine schützende doch nicht einengede Größe erreicht hat. Diese Grenze ist bei verweigernder Einsamkeit aber auch bei Selbstaufgabe (erstaunt?) sehr eng gezogen und verschlingt damit einen großen Teil an Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortung. Erst wenn diese Grenzen langsam ihre natürliche Form annehmen, ist es möglich Wechselwirkungen mit anderen einzugehen, weil erst jetzt die Möglichkeit besteht zu erkennen, was man mit dem anderen gemeinsam hat, und was einen unterscheidet. Die Verweigerung lehnt alles ab, was im anderen ist, die Selbstaufgabe lehnt alles ab, was in einem selber ist. Nur wenn diese beiden Mechanismen stillschweigen kann geteilt, genommen und gegeben werden, da nun das eine vom anderen unterscheidbar geworden ist.

Aufrichtigkeit

Kinder in Suchtfamilien lernen von Anfang an, dass sie das was in ihrer Familie passiert, nicht nach außen tragen dürfen. Und das was sie Erfahren ist oft so bedrohlich für die Psyche das sie es innerlich nicht wahr haben können. Es entsteht neben der tatsächlichen Realität eine Pseudorealität und zwar nach Außen hin als auch nach Innen. Wer sich ständig an einer Pseudorealität festklammert glaubt sie irgendwann auch. Die Strategie der Geheimhaltung und der Realitätsverzerrung ist für Kinder in Suchtfamilien eine Überlebensstrategie die sie unbedingt benötigen. Führt man diese Strategien im Erwachsenenalter weiter, so wird man nie aus den Verstrickungen und Mustern der Kindheit ausbrechen können, vielmehr wird diese Strategie zur gewohnten Handlungsweise und verhindert eine Heilung. Der Aufrichtigkeit wohnt eine starke, transformierende Kraft inne. Aufrichtigkeit beginnt dort, wo man sich nicht mehr vor sich selbst versteckt. Dies bedeutet, dass man lernt der eigenen Wahrnehmung zu vertauen, die eigenen Gefühle zuzulassen und unvoreingenommen zu betrachten, klar die eigenen Grenzen zu erkennen, sie zu wahren wo sie nötig sind, sie zu verändern wo es möglich ist, so zu handeln, das man jederzeit sagen kann: ja, so habe ich gehandelt. Zu idealistisch? Aufrichtigkeit ist eine sehr idealistische Angelegenheit und erfordert sehr viel Mut und die Fähigkeit zwei Eigenschaften gleichzeitig zu leben: sich selbst zu lieben und sich selbst ehrlich zu beurteilen.

Wechselwirkung mit anderen Resilienz-Steigernden Fähigkeiten

Aufrichtigkeit fördert in hohem Maße die Beziehungsfähigkeit, da sie die Begegnung mit uns selbst fruchtbar werden lässt. Sie fördert gleichzeitig die Begegnung mit anderen Menschen, da sie Vertrauen und Zuneigung schafft und trotzdem eine notwendige Distanz wahrt, die allen Beteiligten einen angenehmen Freiraum gewährt. Das Aufrichtigkeit das Selbstvertrauen fördert ist schon fast redundant, da die Aufrichtigkeit einem das Gefühl gibt sich selbst vertrauen zu können.

Stabilisierung der Aufrichtigkeit

Aufrichtigkeit ist eine Entscheidung, die in vollem Bewußtsein getroffen werden muss. Sie setzt den Willen voraus sich selbst zu beobachten, sich selbst zu verändern und sich trotzdem zu lieben und anzunehmen wie man ist, ohne der Einstellung "Ich bin eben so" Raum zu lassen. Ein erster Schritt in die Aufrichtigkeit ist, sich selbst einzugestehen, wenn man sich selbst gegenüber nicht Aufrichtig ist. Nach einer Zeit erkennt man schon vor der eigentlichen Situation das es so kommen wird. Dann braucht man den Mut gegen das bisherige Ausweichmanöver anzugehen ohne sich selbst jedoch dabei zu verletzen. Es gibt Dinge die man selbst als Erwachsener noch nicht konfrontieren kann und mit sich selbst aufrichtig aber behutsam umzugehen bedeutet, zu sagen: "ich merke dass ich in dieser Situation noch nicht aufrichtig zu mir sein kann, aber ich verbiete mir auch nicht etwas anderes zu sagen, sondern beobachte, was ich anstatt der Wahrheit zu sagen habe." Nicht selten wird man dabei entdecken, dass an dem tatsächlich gesagten mehr dran ist, als man zuvor vermutet hatte - manchmal auch indirekt.

Was Resilienz nicht ist

Resilient zu sein bedeutet nicht Resistent zu sein gegenüber jeglichen Angriffen und Widrigkeiten. Sie macht nicht unverletzlich und ist kein übernatürlicher, starrer, undurchdringlicher Panzer. Sie ist im Ganzen gesehen die Geschmeidigkeit und Flexibilität mit welcher sich ein Mensch an Veränderungen in seinem Leben anzunähern vermag. Menschen mit hoher Resilienz sind nicht ewige Frohnaturen und Dauerlacher, sondern sie haben ganz im Gegenteil die Stärke sich ihren Gefühlen, Erlebnissen, Gedanken - auch den unangenehmen - zu stellen und diese zum Ausdruck zu bringen. Im Grunde ihres Herzens vertrauen sie darauf, dass das Leben immer seinen Weg findet und müssen daher nicht krampfhaft versuchen ein vermeindlich perfektes Leben zu simulieren oder aufrecht zu erhalten. Menschen die eine große Resilienz haben können ebenso Angst, Trauer, Einsamkeit, Verletzung, Zerbrochenheit, Erniedrigung, Verzweiflung, Verlassenheit und andere Dinge verspüren und diese Dinge sind für sie nicht weniger schlimm, aber sie bleiben in diesen Dingen nicht stecken. Vielmehr wissen sie auch in ihren dunkelsten Stunden, dass es nach jeder Nacht wieder einen Morgen geben wird und das alles seinen Zweck erfüllt.

 

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