Es ist möglich zu lernen sich an seine Träume zu erinnern, ebenso wie es möglich ist die Klarheit mit der man sich an seine Träume erinnert zu verbessern. Allerdings: manchmal will man das gar nicht wirklich, sondern nur oberflächlich. Gründe weshalb man sich eigentlich nicht an seine Träume erinnern möchte sind bestimmte Ängste vor dem, was dabei heraus kommen könnte, Angst vor Alpträumen aber auch das vermeiden von Ratlosigkeit gegenüber Träumen die einen in einen inneren Zwiespalt bringen können, indem man dazu zum Beispiel ganz starke Gefühle hat, der Traum selbst aber so verworren und abstrus ist, dass man sich davor schützen muss die Gefühle und das Chaos zusammen zu bringen.
Ist das etwas für mich?
Bevor Du also den Entschluss fasst, etwas dafür zu tun, Dich an deine Träume häufiger und klarer zu erinnern, befrage Dich aufrichtig, ob Du das auch möchtest. Wenn Du es nicht möchtest, wirst Du es daran merken, dass es nicht funktionieren wird. Du wirst die Dinge die dafür nötig sind, auch wenn sie ganz simpel sind, nicht tun. Du wirst sie immer wieder vergessen, aufgeben, sein lassen. Das ist nicht schlimm. Eigentlich ist das eine gesunde Reaktion. Die Gefahr besteht dabei, dass Du Dich selbst in Deinem Selbstwertgefühl angreifst und Dich selbst fertig machst, weil Du es schon wieder nicht geschafft hast, es durch zu ziehen.
Deshalb: Wenn Du beim Thema Träume oder irgendetwas von dem was ich hier schreibe ein komisches Gefühl hast – vertraue diesem Gefühl. Vertage die Sache. Trage sie ein wenig mit Dir herum. Manchmal ist es auch so, dass neue Ideen einige Zeit brauchen um zu wachsen. Du kannst also bei jeder Übung erst einmal lesen worum es geht. Wenn Du Dich nicht bereit dazu fühlst, nimm Dir Zeit einfach ab und zu an diese Übung zu denken, zum Beispiel, wenn Du gerade im Bus bist. So lässt Du Dir Zeit Dich an vielleicht neue Gedanken zu gewöhnen.
Lass Dich nicht von anderen unter Druck setzen die von den tollsten Träumen ausführlich erzählen und dann auch noch direkt die komplette Traumdeutung mit dazu liefern oder jedermann in größter Dringlichkeit danach fragen, was denn nun jedes Detail des Traums bedeuten mag. Es ist völlig in Ordnung sich nicht mit seinen Träumen auseinander setzen zu wollen. Wir haben für alles unsere Gründe. Ich möchte Dir hier auch einen etwas anderen Weg zeigen, der Dir offen stehen kann, wenn Du es möchtest.
Wie Du beginnen kannst
Wenn Du Dich entschlossen hast Dich auf kreative Weise deinen Träumen zu nähern und auch zuversichtlich bist, dass das für Dich gut ist, kann es losgehen. Das erste was Du brauchst ist Papier und Stift. Ich persönlich finde es sehr schön dafür eine extra Kladde zu kaufen, die mir besonders gut gefällt. Manchmal bastle ich auch einen Umschlag aus schönem Geschenkpapier. Ein schöner Stift ist für mich auch immer eine Freude – wichtig ist aber, dass er richtig gut schreibt und dass Du ihn nicht auslöschen kannst (also keinen Bleistift oder Füller zum wegkillern). Eine sorgfältige Auswahl dieser Utensilien kann Dir den Start sehr vereinfachen. Du teilst Dir damit indirekt schon einmal mit, dass Du jetzt vorhast, Dich an Deine Träume zu erinnern.
Wenn Du geeignete Schreibunterlagen gefunden hast legst Du sie direkt neben dein Bett (auf den Nachttisch, auf den Boden…) und sagst Dir vor dem Einschlafen immer wieder etwas, dass Dir selbst signalisieren soll, dass Du Dich jetzt an Deine Träume erinnern willst. Zum Beispiel: „Wenn ich morgen früh wach werde, erinnere ich mich an das was ich geträumt habe.“ Tu so als ob, das schon fest stünde. In dem Sinne wären also Sätze wie: „Ich möchte mich gerne morgen früh an meinen Traum erinnern.“ oder „Ich versuche mich morgen früh an meine Träume zu erinnern.“ , nicht so stark. Falls es Dir aber unangenehm ist, so resolut etwas zu bestimmen (nun ja, einen Versuch wäre es doch wert, oder?), dann kannst Du natürlich auch einen weniger resoluten Satz nehmen. Das heißt nicht, dass es dann nicht funktionieren kann. Erfahrungsgemäß ist es jedoch so, dass das „so tun als ob“ einen sehr großen Einfluss auf unser Unterbewusstsein hat. Vielleicht ist es aber gerade das, was Dir unangenehm ist. Vermeide erst einmal Dinge die Dir unangenehm sind, wenn Du so weit bist, werden sie sowie so wieder Thema werden, so dass Du sie angehen kannst.
Den Traum aufschreiben
Nun kommt das wichtigste an der ganzen Sache überhaupt. Sobald Du morgens wach wirst, schnappst Du Dir Papier und Stift und schreibst los. Am Anfang wirst Du vielleicht glauben, nichts zu berichten zu haben. In diesem Fall kannst Du aufschreiben, wie Du Dich jetzt gerade beim aufwachen fühlst. Versuche Dich zu erinnern wie sich dein Traum angefühlt hat, je nachdem wie Du Dich jetzt gerade fühlst. Schreib auf was Dir zu diesem Gefühl einfällt. Schreib jede Kleinigkeit auf, an die Du Dich erinnerst. Das kann ganz kurz sein. Ein Beispiel von mir:
„Ein heißer Kuchen wird auf den Tisch gestellt.“ Und mein Gefühl, dass ich dazu hatte: „Es muss gewartet werden bis er abgekühlt ist.“ Das war einmal alles. Aber das ist mehr als nichts. Es gibt nichts das zu unwichtig oder zu abstrus wäre um es aufzuschreiben, denn jede Kleinigkeit wird Dir den Traum nach und nach herbei ziehen. Wenn Deine inneren Umstände nicht dagegen sprechen wirst Du auf diese Weise immer mehr von deinen Träumen aufschreiben können. Übrigens ist es leichter sich an einen Traum erinnern, wenn wir plötzlich geweckt werden (z.B. Wecker) als wenn wir einfach beim Ausschlafen irgendwann aufwachen.
Wenn Dein Traum Dir sehr konfus erscheint, oder manches gar nicht zusammen passt, kann es gut sein, dass Du mehrere Träume gehabt hast, die Du nun, wo Du wach bist, miteinander vermengst. Scheibe die Dinge, die nicht zusammen gehören auch getrennt auf, mache einen neuen Abschnitt. Wenn Du einmal einen Faden gefunden hast, schreib einfach drauf los. Du brauchst Dich nicht darum zu kümmern schön zu schreiben, oder ob Du alles richtig schreibst (damit Du gar nicht in Versuchung gerätst zu verbessert nimm einen Stift der sich nicht wegmachen lässt). Wenn Du etwas aufgeschrieben hast, dass dann doch nicht stimmt, streiche es nur sachte durch. Auf diese Weise kannst Du auch später noch sehen, was Du zu erst aufgeschrieben hattest. Manchmal war das dann doch nützlicher als Du auf den ersten Blick sehen konntest.
Wenn Du Deinen Traum aufschreibst, dann bewerte und interpretier ihn nicht direkt. Und wenn es Dir noch so unter den Nägeln brennt. Schreibe einfach nur auf, woran Du Dich erinnerst, an Gefühlen, Gedanken, Bildern... Wenn Du unbedingt möchtest, schreibe hinterher darunter „Anmerkung:“ oder etwas ähnliches, und dann , was Du dazu schreiben möchtest. Wenn es geht, lass es lieber. Auf der einen Seite kann so ein spontaner Einfall ganz nützlich sein, meistens jedoch drängt er das was wir über den Traum denken in eine bestimmte Schublade aus dem wir ihn dann nicht mehr gut herausholen können, dann kann uns das Wesentliche des Traums verborgen bleiben, weil wir es durch die Brille die wir von vorneherein aufgesetzt haben schon verzerren.
Hier noch mal eine kleine Zusammenfassung, wie Du Dich an Deine Träume erinnern kannst:
Anfangs nimm das Buch das Du Dir besorgt hast abends zur Hand und stelle Dir vor, wie Du am nächsten Morgen etwas hineinschreibst. Schau es Dir an und freue Dich darüber, dass es so schön aussieht. Tu dies solange, bis Du mit dem Buch vertraut geworden bist. Das ist eine Aufwärmphase, ein Kennenlernen.
Lege das Buch neben dein Bett zusammen mit einem Stift. Vor dem Einschlafen sage Dir, dass Du Dich gerne an deinen Traum erinnern möchtest um ihn aufzuschreiben. Manchmal kann es einige Zeit dauern bis Du anfängst Dich an deine Träume zu erinnern. Gib nicht auf.
Wenn Du morgens aufwachst, nimm sofort das Buch zur Hand und beginne zu schreiben. Tue nichts anderes vorher, da der Traum sonst sehr schnell verwischt und ungreifbar wird. Mit zunehmender Übung gelingt es dann immer besser den Traum zu halten. Am Anfang kann es sich jedoch anfühlen als rinne Dir der Traum wie Sand durch die Finger. Schreibe alles auf, beginne mit dem was Dir spontan einfällt. Auch wenn es durcheinander klingen sollte. Das ist nicht schlimm, lass es wie es ist und bewerte es nicht.
Aufschreibhilfen:
- versuche auf keinen Fall deinen Traum beim aufschreiben zu deuten oder zu interpretieren
- schreibe auf wie Du Dich in dem Traum gefühlt hast und wie Du Dich jetzt nach dem Aufwachen fühlst (genauso? anders?)
- schreibe jedes Detail auf an das Du Dich erinnern kannst
- mache eine Skizze oder Zeichnung wenn es Dir hilft
- notiere das Datum zum Schluss, das kannst Du auch noch später nachholen, wenn Du schon aufgestanden bist
- sei nur Beobachter deiner Träume
Wenn Du damit anfängst, habe ein bisschen Geduld. Schreibe einfach immer auf woran Du Dich erinnerst. Versuche erst einmal nicht irgendetwas zu deuten oder zu interpretieren. Es gibt Menschen die glauben, dass Träume einzig und allein dazu da sind uns Dinge über unser „Unterbewusstsein“ zu übermitteln und wir die Aufgabe haben diese zu entschlüsseln. Das ist nach meiner Erfahrung nicht der Fall. Es gibt ganz viele unterschiedliche Träume, die auch ganz unterschiedlichen Zwecken dienen. Der Traum an sich, noch nicht mal unsere Psyche, ist darauf wirklich angewiesen, dass wir den Traum intellektuell analysieren. Wir können das machen, und wir können dabei sicherlich auch viel über uns lernen, oder eine plötzliche Erkenntnis gewinnen, aber es ist nicht die (alleinige) Bestimmung unserer Träume als Futter für unseren Verstand zu dienen oder uns Dinge zu übermitteln die unser Unterbewusstsein uns mitteilen will, wobei es den bösen, bewertenden Intellekt austricksen muss…
Ich schreibe das hier so, weil ich das nicht selten so gelesen habe. Es widerspricht meiner Anschauung davon, dass der Mensch eine holistische Einheit ist. Aber ich will hier gar nicht weiter theoretisch Philosophieren und Psychologisieren. Ich möchte Dir meine Erfahrungen mitteilen und Dich dazu inspirieren, das ein oder andere für Dich auszuprobieren, weil ich diese Erfahrungen als heilsam, nützlich, interessant, erkenntnisreich oder einfach auch als schön empfunden habe. Der erste Schritt dahin ist, zu wissen wie Du Dich an Deine Träume erinnern kannst, damit Du hinterher mit ihnen experimentieren kannst.
Manchmal bin ich auch schon der Vorstellung begegnet, dass wir unseren Träume (ebenso wie Gedanken) ausgeliefert sind. Das sie zu uns kommen und wir gar nichts dagegen oder dafür tun können. Das stimmt aber nicht. Die Träume sind ein Teil von uns, ebenso wie eine Hand oder ein Fuß. Nimm einmal an, Du stürzt. Deine Reflexe werden sich ganz von selbst melden und Dich auffangen, indem sie deine Hände nach vorne schnellen lassen, damit sie Dich vor einem Aufprall auf dem Boden schützen können. Vielleicht verletzt Du Dich gerade durch diesen Reflex. Das bedeutet aber nicht, dass Du dem Reflex ausgeliefert bist. Es ist eine Deiner Körperfunktionen, die einem bestimmten Zweck dient. Manchmal klappt das vielleicht nicht so ganz, aber in den allermeisten Fällen, sind Reflexe nützlich und funktionieren. Auf der anderen Seite bist Du in der Lage deine Hände zu nehmen und damit etwas zu tun was Du willst. So sind Träume auch. Auf der einen Seite sind sie eine lebenswichtige „Menschfunktion“ (Körperfunktion wäre wahrscheinlich zu wenig gesagt), die von allein stattfindet und seinen Zweck erfüllt, ob Du nun darüber nachdenkst oder nicht. Auf der anderen Seite können wir unsere Träume verwenden um bestimmte Dinge zu tun. Zweiteres wissen manche Menschen nicht, andere glauben es sei eine Gabe, die an ihnen vorüber gegangen ist und für wieder andere ist es das natürlichste auf der Welt. Ebenso, wie Du „lernen“ kannst Dich gezielt an Deine Träume zu erinnern, ebenso kannst Du lernen sie für deine Zwecke zu verwenden.
Die Gezeiten berücksichtigen
Wie alles hat auch das Träumen seine Zeit. Bei mir ist es so, dass das Träumen gewissen Gezeiten folgt. Es gibt Zeit in denen kann ich mich sehr gut an meine Träume erinnern. Dann gibt es wieder Phasen in denen ich mich an nichts erinnere. Ich will dann auch nicht. Manchmal ist es einfach so, dass es mir zu anstrengend ist oder ich aus anderen Gründen nicht will. Das Träumen kommt dann von selbst irgendwann wieder zurück oder aber ich hole es zurück, indem ich das mache, was ich oben beschrieben habe. Niemand muss sich immer an alles erinnern. Nimm es leicht und akzeptiere deine eigenen Traum-Gezeiten. Um zu leben müssen wir Einatmen und auch wieder Ausatmen, brauchen wir Zeiten in denen wir Träumen und andere in denen wir davon unbehelligt sind. Setzte Dich auf keinen Fall unter Druck. Du musst keinen Traumwettbewerb gewinnen. Deine Träume gehören Dir und sie sind nicht vergleichbar und nicht bewertbar. Sie sind etwas, dass allein Dir gehört.
Ich sage Dir das auch deshalb, weil ich schon viele Menschen getroffen habe, die in meinen Augen eine Art Traum und Interpretations-Wettbewerb mit anderen veranstalten, wann immer sie in ein Gespräch über Träume kommen. Sei ganz gelassen gegenüber solchen Leuten, die sich im Prinzip nur damit profilieren wollen (womit eigentlich?).
Den Traumrhytmus wiederfinden
Manche Menschen erinnern sich oft nur an ihre Albträume, andere haben unheimlich konfuse Träume (hier hilft das Traumtagebuch hervorragend), die sie verunsichern weil sie ihnen das Gefühl geben, dass sie sich selbst nicht verstehen. Interessant ist die Entdeckung, dass das was wir über unsere Träume denken, großen Einfluss auf sie nimmt. Jemand der zum Beispiel einen furchtbaren Albtraum erzählt und darauf hin gefragt wird mit was für Ideen er sich um himmels Willen beschäftigt, wird fortan sicherlich keinen Traum mehr erzählen und sich vielleicht fragen was mit ihm nicht stimmt. Dadurch, dass wir uns dann auf eine bestimmt Idee versteifen, kehrt sie immer wieder. Besser ist es, die Dinge so zu sehen wie sie sind und sie nur zu beobachten: Was habe ich geträumt und wie habe ich mich dabei gefühlt? Die Interpretation kann offen bleiben, sie wird sich irgendwann von allein einstellen oder auch nicht (was auch nicht schlimm ist). Wenn wir den Gedanken der uns festhält loslassen, dann lässt auch er uns los. Und wir können wieder frei schwingen.
Das wichtigste was ich durch die Beschäftigung mit meinen Träumen gelernt habe ist, dass ich meinen Träumen und meinem Leben nicht hilflos ausgeliefert bin. Wir machen uns die Umstände in denen wir leben selbst, in dem wir an bestimmte Dinge glauben, von bestimmten Dingen Träumen und uns bestimmte Dinge erhoffen. Da die meisten jedoch zu ihren Träumen ein etwas anderes Verhältnis haben als zu ihrem Wachbewusstsein, fällt es ihnen leichter erst einmal zu begreifen, dass Träume erstens das widerspiegeln was wir über die Welt zu wissen glauben, zweitens dass wir unsere Träume willentlich manipulieren können, indem wir uns entschließen, unnütze oder hinderliche Dinge aus unserem Gedankenvorrat zu streichen und gegen hilfreiche auszutauschen und, dass wir Träume als eine Ebene benutzen können die uns verwirklicht.


