Ekinda-Online

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2007 - Der Weg ist selbst das Leben

Dieses erste Jahr ist wie ein Wimpernschlag vergangen. Vieles hat sich in dieser Zeit von den ersten Anfängen von Ekinda.de bis hierher verändert. Bevor die vielen Veränderungen, die für das nächste Jahr vor der Tür stehen mögen, eintreten dürfen, möchte ich hier einen Blick zurück werfen. In diesem ersten Jahr ist hier vieles gewachsen, hat sich vieles getan und verändert, und es bleibt weiterhin spannend, was uns in Zukunft noch alles erwarten wird. Ich denke, es werden sehr gute Dinge sein. Ich wünsche sie uns allen.

 

September 2006 - März 2007

Ausgelöst von einer Reihe von Ereignissen und deren Zusammenhängen machte ich mich letzes Jahr im Spätsommer auf die Suche. Mir war nicht so genau klar, nach was eigentlich und warum. Im Speziellen suchte ich jedoch nach Menschen, die wie ich in einer Suchtfamilie groß geworden waren. Sicherlich bin ich da bereits einigen von ihnen begegnet. Da aber die Dinge liegen wie sie liegen, kommt es bei solchen Begegnungen meistens nicht zu einem regen Austausch. Man erkennt sich - und läßt die Dinge sein wie sie sind. Das wollte ich nicht mehr. Weder wollte ich mich weiter verstecken für das, was und wie ich bin, noch wollte ich weiter schweigen. Auf der anderen Seite wollte ich aber auch Leute nicht damit belasten, die damit gar nichts zu tun hatten. So genommen war es wohl die Suche nach Gemeinschaft. Irgendwo, so hatte ich das Gefühl, muss es Menschen geben, mit denen ich Erfahrungen teilen kann. Ich wollte nicht mehr daran festhalten, allein zu sein damit und anders. Bei nächtelanger Suche im Internet fand ich nichts von dem, was ich genau suchte. Das Bild dessen, was mir vorschwebte, war zu deutlich. Kurzum kam ich zu dem Schluss, das was mir im Kopf herum ging einfach selbst zu machen und ins Netz zu stellen. Ich wollte sehen, ob dort draußen jemand ist, der mir antwortet. Von Oktober bis März begann ich dann mit dem Schreiben von Texten, dem Entwurf des ersten Layouts. Dabei war für mich in erster Linie das Prinzip des ersten Gebens eine wichtige Richtschnur. Ich konzentrierte mich darauf, so aufrichtig und unversteckt wie nie zuvor meine Erfahrungen und Gedanken zum Thema Suchtkranke Familie und das, was diese aus einem macht, wenn man als Kind darin aufwächst, aufzuschreiben. Ich habe mich lange Jahre damit auseinander gesetzt, was es mit mir macht - theoretisch, philosophisch, praktisch, psychisch. Dementsprechend war die erste Version von Ekinda.de auch eine ganz private, eigene Angelegenheit. Ein erstes Fühler ausstrecken und anbieten von dem, was ich war, was ich wußte, was ich dachte, was ich fühlte. Im März 2007 war es dann so weit, eine erste Version dieser Internetseite online zu stellen. Zusätzlich zu dieser Seite eröffnete ich ein Forum, um Platz für den Austausch zu schaffen, nach dem ich auf der Suche war.

März 2007 - September 2007

Da diese Seite anfangs natürlich nicht bekannt war und man sich nicht nur auf Suchmaschineneinträge verlassen kann, ging ich nun auf die Suche nach Menschen, die vielleicht so einen Platz, so ein Forum brauchen könnten. Einen Platz, wo sie sich über genau die Dinge äußern konnten, über die wir sonst eigentlich nie oder kaum sprechen. Und so kamen nach und nach einige Mitglieder zusammen, die bis heute fast täglich das Forum besuchen, sich austauschen und vor allen Dingen sich auch umeinander mit viel Herz und Mitgefühl kümmern. Es ist, als gäben alle ihre rauhe Schale - sofern vorhanden - an der Garderobe ab. Es gab vieles zu bereden, mitzuteilen, zu hören, zu teilen, es entstand eine rege, wunderbare Form der Kommunikation und eine Gemeinschaft.
Mir persönlich wurde über den Austausch und auch über das bloße Wachsen dieser Gemeinschaft sehr vieles klar, auf dass ich allein in meinem stillen Kämmerchen nicht gekommen wäre, eben weil man Gemeinschaft immer nur mit anderen zusammen erleben und erfahren kann. Um so mehr empfand ich jedoch auch die Diskrepanz, die zwischen jedem Einzelnen als Ekinda und der Gesellschaft zu liegen scheint. Sie heißen noch heute "vergessene Kinder" und das sind sie auch weiterhin. Ekindas schweigen und sie fallen als EKINDAS nicht auf, wohl aber durch eine Reihe von Merkmalen wie psychischen Erkrankungen, Suchtverhalten und bestimmten Glaubensvorstellungen, an denen sie ihr Leben ausrichten. Es stellte sich sehr schnell etwas generell gültiges heraus, dass ich bisher nur für mich wußte: nur weil ich jetzt erwachsen bin, ist es noch nicht vorbei. Es verjährt nicht in, einer Suchtfamilie groß geworden zu sein. Ebenso zeigte sich aber auch deutlich, dass es sehr große Unterschiede in diesem "Nicht-verjähren" gibt. Mir wurde sehr wichtig: es muss in unserer Gesellschaft Raum für Ekindas geschaffen werden. Ich hatte von Anfang an auch Kontakt aufgenommen mit verschiedenen "Institutionen" wie wissenschaftlichen Gruppen, die sich diesem Thema annahmen, wie auch Organisationen wie NACOA und andere, die sich auf ihre Weise mit diesem Thema auseinander setzen, auch wenn es dort vorrangig um Kinder geht, die heute in Suchtfamilien aufwachsen, was ebenso wichtig ist. Es ist wichtig, diesem Thema wissenschaftliche Beachtung zu schenken. Wichtig, Therapeuten speziell für die Problematik zu sensibilisieren...und viele Dinge mehr.

September 2007

Im September startete das Ekinda-Portal. Dort haben die Mitglieder neben dem Forum, in dem sie sich miteinander austauschen können, die Möglichkeit, sich in ihrem eigenen Blog mit ihrerer Geschichte, ihren Gedanken und Gefühlen auseinander zu setzen. Andere Mitglieder können diese Blogs lesen, sich darin wiederfinden, sich davon unterscheiden. Es bestand nun auch die Möglichkeit, noch einmal ganz anders zueinander zu finden, indem man durch ein ausführliches Profil und einem Foto noch mal "näher" zusammen rückte. Diese Gemeinschaftlichkeit trug sicherlich auch dazu bei, dass wir im folgenden Monat ein wichtiges Projekt starten konnten.

Oktober 2007

In diesem Monat starteten wir mit unserem Buchprojekt. Durch eine Reihe von Artikeln, von Gedichten, Bildern und anderen Ausdrucksformen möchten wir uns als Menschen, die in dieser Gesellschaft leben, aus dem Schatten trauen und uns zu Wort melden. Wir möchten anderen die Möglichkeit geben, hin zu schauen, die unsere Umstände nicht kennen. Wir möchten anderen Ekindas anbieten, sich nicht mehr allein und "unnormal" zu fühlen, Hoffnung wecken, das Leben lebendiger zu machen.

November 2007

Im November wurden wir von NACOA zur Strategiekonferenz für Kinder in Suchtfamilien im Januar eingeladen, an der wir mit drei Mitgliedern und der Idee "Ekindas für COAs" teilnehmen werden.

Dezember 2007

Im Dezember folgte nun das Äußere dem Inneren nach. Da sich der Sinn und Zweck der Seite Ekinda.de von einer privaten Homepage hin zu einem Treffpunkt und einer Anlaufstelle für Ekindas entwickelt hatte, bekam Ekinda.de Anfang Dezember ein komplett neues, an den veränderten Umständen ausgerichtetes Gesicht. Gleichzeitig wurde die Idee für das Ekinda E-Zine geboren, welches sich seit dem intensiv in Vorbereitung befindet. Das E-Zine selbst soll Hoffnung und Impulse geben, als Menschen das Leben lebendig zu gestalten, nicht nur trotz, sondern gerade weil dies im bisherigen Leben oft mehr als zu kurz gekommen ist.

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