Ekinda-Online

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Die Idee für Ekinda-Online wurde im September 2006 geboren. Von da an dauerte es noch noch mehrere Monate bis im März 2007 das Vorhaben umgesetzt und ins Netz gestellt wurde. Anfänglich war es nur eine Idee, die aus dem Wunsch und der Sehnsucht entsprang, Menschen zu finden, die ebenso wie ich in einer Familie mit süchtigen Eltern groß geworden sind. Ich hatte mich jahrelang schon damit beschäftigt, mich mit den Umständen und Folgen auseinander zu setzen und doch war da immer etwas, das fehlte. Eigentlich bin ich, wie übrigens viele Ekindas, immer der Ansicht gewesen, dass ich meine Probleme durch hartes Anpacken und unerbittliches "Augen zu und durch die Wand " lösen muss und bisher auch so weit lösen konnte. Aber letztes Jahr kam alles ganz anders, und ich entdeckte, dass ich als Mensch auch Zugehörigkeit brauche. Ich hatte mal wieder etwas geschafft. Ich habe mein Studium beendet und noch viele andere Dinge in meinem Leben abgeworfen. Durch eine Reihe von Umständen und Ereignissen wurde mir aber klar, dass ich nicht im eigentlichen Sinne lebendig war, das ich müde war und auch einsam. Und das trotz der Tatsache, dass ich meine eigene, kleine Familie habe, dass ich nicht nur mein Diplom in der Tasche hatte sondern auch direkt einen Job dazu, dass ich wirklich gute Freunde habe denen ich von Herzen danke, dass sie da sind.

Auf einer gewissen Schiene gibt es in der Verbindung zu all diesen Menschen, so innig ich auch für sie empfinde, einen Trennstrich. Einen Bereich in den sie mir nicht folgen können und das ist meine Kindheit und ihr Einfluss auf mein Leben bis heute. Ich hatte also den Drang Menschen zu finden, die Ähnliches erlebt hatten, um zu sehen, was wirklich auf den Umstand zurück zu führen ist, dass ich mit suchtkranken Eltern groß geworden bin, und was einfach nur meine eigenen Macken sind. Das Ergebnis war für mich sehr überraschend. Ich hatte mit Einigem gerechnet aber nicht damit, dass sich so viele Dinge überschneiden und dass es so viele Menschen gibt, denen es ähnlich geht. Ich meine damit nicht nur, dass sie in einer Suchtfamilie groß geworden sind, sondern auch dieses Gefühl der Erleichterung, dass viele teilen, das Gefühl: "Ich bin gar nicht allein damit" und vor allen Dingen auch: "Auf meine ganz eigene Art bin ich normal."

Im Laufe des Jahres ist viel geschehen, hat sich vieles entwickelt und neue Wege, Ideen und Projekte haben sich aufgetan. Vieles ist klarer geworden und kann eine neue Struktur bekommen, in der alles weiter wachsen kann auf dem Weg, den das Leben vorgesehen hat. Das Leben findet immer seinen Weg. Wir können etwas dafür tun, dass die Lebendigkeit es begleitet.

Mittlerweile ist Ekinda-Online zu einer Anlaufstelle geworden für Ekindas und solche die mit Ekindas zu tun haben, was auch nicht immer einfach ist. Erwachsene Kinder von Abhängigen kämpfen häufig mit einer Reihe psychischer Erkankungen wie chronische, posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Co-Abhängigkeit, eigene Suchterkrankungen, Borderlinestörungen, Selbstverletzendes Verhalten und einiges mehr. Diese Störungen gehören unbedingt in professionelle Hände. Hierher können Ekindas kommen nicht wegen ihrer Erkankung oder Störung, sondern zusätzlich einfach als Menschen, die sie sind. Ich finde das sehr wichtig, weil ich das Gefühl habe, das wird oft vergessen. Manchmal bedeuteten diese Krankheiten die ganze Welt. Aber das sind sie nicht. Ekindas sind in aller erster Linie Menschen wie alle anderen auch. Sie haben zu kämpfen mit

- Schlaflosigkeit
- Selbstzweifeln
- Eigenhass
- Perfektionismus
- sich selbst nicht fühlen können
- verwirrt sein

....die Liste ist lang. Sie sind nicht selten noch immer in dem System gefangen, welches ihre Eltern über Jahre um sie herum aufgebaut haben. Ein System der Starre, der Ohnmacht, ein System in dem eigene Gefühle und Gedanken nicht erlaubt sind und einem stattdessen eine schiefe Ersatzrealität angeboten wird. Um dieses System zu durchbrechen, um neue und andere Erfahrungen zu machen, können wir uns gegenseitig unterstützen. Es gibt immer die Chance darauf, "umzudenken", um das Leben lebendiger zu machen und die Einsamkeit und Nicht-Zugehörigkeit zur Welt zu überwinden, die als "schwarzes Loch" in der Brust vielen von uns bekannt ist. Es ist nicht einfach, aber gemeinsam geht es viel besser.

Jeder von uns hat seine ganz eigene Geschichte. Der eine mag in einer Familie voller Gewalt und vielleicht sexuellem Mißbrauch groß geworden sein. Der andere war immer allein und die Eltern übten ihre Macht auf sehr subtile ungreifbare Weise aus, die von außen vielleicht kaum sichtbar ist. Es ist mir wichtig, alle diese Dinge nicht nach "Schweregrad" zu sortieren, denn dieser läßt sich in diesem Zusammenhang nicht bestimmen. Es läßt sich vom Schweregrad psychischer Erkrankungen wie Traumata, Depressionen oder Ähnlichem sprechen. Aber wer vermag zu beurteilen, welchen Schmerz wir als Menschen aus welchen Gründen auch immer mit uns herum tragen? Wie soll man Seelenschmerz messen? Sobald wir als Menschen kommen, sind wir unvergleichlich. Und wer möchte, kommt genau so wie er ist.

Fühl Dich eingeladen und willkommen.

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